BREMEN - Der 58-Jährige hatte es mit seiner Lügengeschichte in diverse Medien geschafft. Der Schwindel flog auf, als der britische Fußballstar dementierte.
von Jörg esser
BREMEN - Englands Stürmerstar Wayne Rooney hat bei der WM nichts getroffen. Allenfalls den Unterleib des portugiesischen Verteidigers Ricardo Carvalho. Martin Rooney aus Bremen hingegen hat einen Volltreffer gelandet. Mit einer frechen Lügengeschichte. Der englische Geisteswissenschaftler, der seit über 30 Jahren an der Weser lebt und sich unter anderem als Biograf des deutschen Pazifisten Armin T. Wegener einen Namen gemacht hat, hat es geschafft, sich als falscher Onkel Rooney („Wayne ist der Sohn meiner jüngeren Schwester“) in die Medien zu katapultieren.Der 58-Jährige hat nicht nur uns und den Kollegen von der schreibenden Zunft ein faules Ei ins Netz gelegt. Er hat’s auf dem heimischen Sofa im England-Trikot in die „Tagesthemen“ geschafft. In diverse Fernsehstudios. In die Online-Ausgabe des „Spiegel“. Und ins Fußballfachblatt „Rund“.
Rooney kommentierte gestern mit britischem Humor: „Mein Ball war eindeutig hinter der Linie.“ Eine Anspielung auf das Finale von Wembley. Auf den Schuss von Geoff Hurst, der als Tor gewertet wurde. Beim Endspiel der WM 1966 war Rooney als Augenzeuge dabei. Beteuert er immer noch.
Der Familien-Schwindel jedenfalls flog auf, als sich englische Medien für den Fall interessierten. Fußball-Rüpel Rooney wurde auf einer WM-Pressekonferenz auf den Onkel aus Bremen angesprochen. Sein knapper Kommentar lautete: „Dieser Mann ist kein Verwandter.“ Das gibt auch Martin Rooney mittlerweile zu. Er spricht von einem „Injoke“. Was auch immer das sein soll. Und weiter sagt der freie Übersetzer und Fachmann für den Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich von 1915/16: „Mal gucken, ob die Nation einen Fußballspaß versteht.“ Schaun mer mal. Sagt der Kaiser.
Martin Rooney ist ein intelligenter Mensch, der jetzt zum Witzbold und Hochstapler mutiert ist. Zum Felix Krull aus Manchester. Da bleibt Zeilen wenigstens der Trost, dass die „Three Lions“ mal wieder versagt haben. Das gibt auch Martin Rooney zu: „Das englische Team hat sich vor der Weltöffentlichkeit blamiert.“ Sein falscher Neffe auch. Vor allem mit verbalen Angriffen an den Vereinskollegen Cristiano Ronaldo. Den will er ja bekanntlich zerteilen. „Solch einen Neffen hätte ich sofort verstoßen“, sagt Rooney heute.
