BREMEN - Und jetzt eine Gewissensfrage: Was machen Sie am 29. April? Wie bitte, das wissen Sie noch nicht? Die Bürger Britanniens hingegen wissen es wohl mehrheitlich. Und so fragte diese Zeitung Briten, die in Bremen leben, was sie am Tag der Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton machen werden.
Der 29. April, ein Freitag, „ist ein öffentlicher Feiertag“, weiß Literaturwissenschaftler Dr. Martin Rooney. Feiertag? In Großbritannien, und dort wird Rooney, 1948 in Manchester geboren, auch sein. Er besucht ein Familientreffen bei seiner Nichte in Essex.
Dabei wird er nicht nur ein Auge auf die Hochzeitsübertragung im Fernsehen werfen, sondern „zwei Augen“. Rooney: „Ich werde gucken und die eine oder andere ironische Bemerkung werde ich mir nicht verkneifen können.“
Warum auch. Und wenn er nach Bremen zurückfliegt, wird Rooney ein Souvenir im Gepäck haben: „Ich werde mir einen William-und-Kate-Teebecher kaufen.“ Der Handel mit Hochzeits-Souvenirs ist auf der britischen Insel längst in Schwung gekommen. Überhaupt: „Eine Million Touristen kommen – das ist ein Boom für unsere desolate Wirtschaft.“ Das Königshaus als Wirtschafts- und Standortfaktor. So nüchtern wird die Monarchie betrachtet. Aber es muss ja nicht bei purer Nüchternheit bleiben. Rooney: „Die Zeiten sind so schwierig – die Leute sollen feiern.“
„Ganz England macht dicht“, sagt der Cellist Alexander Baillie, seit 1994 Professor für Violoncello an der Hochschule für Künste in Bremen. „Es wird eine ganz tolle nationale Feierlichkeit.“
Baillie ist in Bremen und wird sich die Hochzeit im Fernsehen anschauen. „Ich werde versuchen, die Erinnerung an die Hochzeit von Charles und Diana vor vielen Jahren aus dem Gedächtnis zu verbannen. Alle fragten sich damals, ob nicht die Diana zu jung war. . .“ Dieses Mal aber sei es anders. Baillie: „Die Kate ist eine ganz andere Persönlichkeit als Diana. Jedoch sehnt England sich danach, die Diana wieder zu haben. Alle denken es, wenige sagen es.“ Einmal im Thema, ist der Musiker gar nicht aufzuhalten und steigert sich hinein in ein wahrhaft royalistisches Crescendo: „Wie schade, dass Deutschland keine Monarchie hat!“
Andernorts in Bremen, an einer Straße mit dem einer Hochzeit angemessenen Namen Herrlichkeit, drückt man sich ein wenig diplomatischer aus. Denn hier, in der Nähe von Teerhof und Weser, ist der Sitz des – um den Namen einmal in voller Schönheit und Länge zu nennen – Honorarkonsulats des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland. Der Honorarkonsul heißt Hans-Christoph Enge.
Und, was macht er am 29. April? Er fährt nach Berlin. Dort hat die Botschaft Großbritanniens anlässlich der Hochzeit zu einem Empfang geladen. „Auf einem Empfang mit britischen Köstlichkeiten können 450 geladene Gäste die Live-Berichterstattung der BBC von Zeremonie und Hochzeitszug verfolgen“, heißt es bei der Botschaft. Vor dem Botschaftsgebäude spielt ein Dudelsackpfeifer. Das wäre doch auch was für Bremen.
