BREMEN - Bei der Bremer Woll-Kämmerei (BWK) in Blumenthal werden noch Ausrüstungsaufträge abgewickelt. Aber es ist absehbar, „dass der Name BWK Ende des Jahres hier verschwindet“. Das sagt der Sprecher der BWK, Thomas Bolte. Die Wollproduktion wurde schon Ende Februar eingestellt.
Doch was wird aus dem Gelände, aus dem Heizkraftwerk, was aus Chemie-Verbrennungsanlage EFA? Wenn es nach der „Unabhängigen Bürgerbewegung Blumenthal“ geht, dann ist die Sache klar: Die Verbrennungsanlagen müssen stillgelegt werden, sind die doch nur für die BWK eingerichtet worden. „Dioxin“ werde da freigesetzt, sagt Initiative-Sprecher Hartmut Schurr. „Es stinkt nach Aromastoffen, wenn die Abwasser der chemischen Industrie verbrannt werden.“
Die Grundfrage, ob das Gelände als „Gewerbegebiet“ oder als „Industriegebiet“ ausgewiesen werden müsse, ist derzeit offen und umstritten. Die BWK-Gesellschafter haben einen Makler eingeschaltet, um die 17 Hektar, die noch im Besitz der australischen Mutter Elders sind, an den Mann zu bringen. „Einfach wird es nicht“, sagt Bolte. Wenn ein Großer käme, könnte die Stadt kaum „Nein“ sagen. Auch deswegen haben die Stadtplaner Zeit: Erst wenn sich Ende des Jahres abzeichnet, dass keiner kommt, der das Gelände industriell nutzen will, sind neue Ideen gefragt.
Stadt sicherte Überleben
Bremen hat für das Überleben der BWK nicht nur die Sondermüll-Verbrennungsanlagen genehmigt, sondern vor Jahren auch mehr als die Hälfte der ungenutzten Flächen gekauft. 15 Millionen Euro konnten so in die Kasse der BWK geschleust werden.
Das Heizkraftwerk verbrennt Sekundärstoffe aus dem Müll, der im Landkreis Diepholz anfällt. Laut Achim Behrend, Technischer Leiter der Abfallwirtschaft (AWG) Bassum, werden brennwertreiche Stoffe aus dem Hausmüll aussortiert, also Holz, Papier, auch Plastikfolien. Das sei wertvoller Brennstoff, der Steinkohle in Blumenthal ersetzt. Die Luft sei dort sauberer geworden. 7,5 Millionen Euro hat die AWG im Bremer Norden investiert, das Heizkraftwerk sei genau auf die Kapazität, die in Bassum anfalle, ausgerichtet.
Verkauf von Brennstoff
Den Brennstoff könne man auch anderweitig verkaufen, etwa an das Mittelkalorik-Kraftwerk des Bremer Versorgers swb, aber dafür gebe es keinen Grund. „Wir haben eine unbefristete Genehmigung“, sagt Behrend. Für die Ökonomie der Anlage bei der BWK habe es zudem immer einen „Plan B“ gegeben – für den Fall, dass keine Heizwärme für die Wollproduktion verkauft werden könne.
Unklar ist indes, zu welchem Preis die Elders-Gruppe ihren Anteil verkauft.
