Bremen - Müll im Vorgarten, verwahrloste Häuser, überbelegte Wohnungen: Was sich vor und in manchen Häusern in Gröpelingen abspielt, stinkt sprichwörtlich bis zum Himmel. Damit soll jetzt Schluss sein. Ordnungsdienst und Bremer Stadtreinigung gehen jetzt gemeinsam gegen Müllsünder vor – zum Teil mit Erfolg.
Bereits im Februar zeigte eine Aktion des Ordnungsdienstes auf, wie groß das Problem mit illegal entsorgtem Müll ist. An 67 Stellen entdeckten die Kontrolleure bergeweise Unrat im multikulturellem Viertel rund um Ritterhuder Heerstraße und Gröpelinger Heerstraße sowie Liegnitz-Quartier. Damals sprachen die Beamten Verwarnungen aus und leiteten mehrere Ordnungswidrigkeitsverfahren ein. Doch wie eine kürzlich durchgeführte Kontrolle zeigte, sind die Probleme nicht weniger geworden. Auf Initiative des Innenressorts wurden mehrere Wohnhäuser gezielt überprüft – mit teilweise erschreckenden Ergebnissen. So fanden die Kontrolleure verschimmelte Wohnräume vor, fehlende oder defekte Sanitäranlagen und Häuser, die keinen ausreichenden Brandschutz aufwiesen.
Die Zustände in manchen Wohnungen und Zimmern waren demnach „unhaltbar“, sagte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD). So mussten einige Bewohner ohne Heizung und Warmwasser auskommen, in anderen Räumen waren ganze Decken schwarz vor Schimmel, hieß aus dem Innenressort. Zudem entdeckten die Kontrolleure Rattenkot in Kellerräumen. Man könne nicht zulassen, „dass Menschen unter solch unwürdigen Bedingungen leben müssen“, sagt Mäurer.
Grundlage für das Vorgehen ist das Bremische Wohnungsaufsichtsgesetz (BremWAG). Dort wird zum Beispiel geregelt, welche Mindeststandards ein Wohnhaus aufweisen muss. So müssen jedem Bewohner mindestens neun Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung stehen, einem Kind bis sechs Jahren noch sechs Quadratmeter. Doch auch daran hielten sich nach Angaben des Innenressorts nicht alle, wie die Kontrollen ergeben hätten. Dabei, so Mäurer, sei gerade die Überbelegung von Wohnhäusern das Hauptproblem für das Müllaufkommen in „besonders belasteten Quartieren“. Statt Müll in den vorgesehenen Tonnen zu entsorgen, fanden die Beamten wiederholt Unrat am Straßenrand, in Hinterhöfen oder Vorgärten. Teppichreste lagen neben Bauschutt, Lebensmittel, alte Fahrräder und Sperrmüll lagen herum.
Das neue Vorgehen, das diese Zustände unterbinden soll, sieht folgende Schritte vor: Treffen Kontrolleure auf verwahrloste Grundstücke, illegal entsorgten Müll oder überbelegte Häuser, melden sie dies an den zuständigen Fachbereich der Stadtreinigung. Danach werden die Fälle kategorisiert und je nach Priorität über das weitere Vorgehen entschieden. Außendienstmitarbeiter sprechen dann Haus- oder Müllbesitzer direkt an und erläutern in persönlichen Gesprächen unter anderem die verschiedenen Wege der Entsorgung. Zeige sich der Besitzer kooperativ und fahre den Müll „in den kommenden Tagen“ weg, gelte der Fall nach einer weiteren Kontrolle 14 Tage später als erledigt. „Die persönliche Ansprache der Bürger zeigt in der Regel sofort Wirkung“, so Insa Nanninga von der Bremer Stadtreinigung. Kommt der Müllbesitzer der Aufforderung nicht nach, werden Ordnungsgelder fällig. Finden sich gefährliche Abfälle, werde der Müllhaufen „sofort“ entfernt und ein Strafverfahren eingeleitet. Hausbesitzer werden bei entsprechenden Mängeln aufgefordert, diese umgehend zu beheben.
