Bremen -   Sie ist laut, sie ist unübersichtlich, sie ist gefährlich: Die Brill-Kreuzung in Bremens Innenstadt ist schon seit langem ein Reizthema, das die Experten beschäftigt. Tempo 30? Fußgängerquerungen? Reaktivierung des Brill-Tunnels? Viele Aspekte werden aktuell heiß diskutiert – und rufen ganz unterschiedliche Reaktionen hervor.

Ende Juni erfasste ein Motorradfahrer (18) eine Frau (78), als diese die Bürgermeister-Smidt-Brücke überquerte. Beide starben an den Folgen des Unfalls. Erst im April wurde eine Radfahrerin (24) von einem Lkw erfasst, auch sie starb noch am Unfallort. Die Polizei zählte allein für 2017 53 Verkehrsunfälle rund um den Brill, drei Schwer- und zehn Leichtverletzte sind die traurige Bilanz. Noch vor Jahren galt die Hauptverkehrsader nicht als Unfallschwerpunkt. Das hat sich geändert – und hievt die Kreuzung wieder auf die politische Agenda.

So bringt Lencke Steiner, Vorsitzende der Bremer FDP, eine Reaktivierung des 2009 geschlossenen Brill-Tunnels ins Gespräch. Die Fußgänger- und Verkehrsführung gehöre auf den Prüfstand, heißt es. „Dabei darf es keine Denkverbote geben.“ Der 1968 eröffnete Tunnel biete „eine relativ einfache Möglichkeit“, die Straße zu überqueren und verhindere so weitere Unfälle. Würde es gelingen, die Unterführung „hell, sauber und sicher“ zu gestalten, wäre sie zudem ein „attraktiver Ort“ für Geschäfte. Für den kürzlich ins Leben gerufenen Ordnungsdienst sei der Tunnel ein „idealer Ort“, um seine Arbeit aufzunehmen, so Steiner. Auch bei der Handelskammer Bremen stößt die Idee auf offene Ohren – zumindest teilweise. Olaf Orb, Bremens Innenstadtbeauftragter der Handelskammer, sagt, man müsse „Phantasie ins Spiel bringen“. Würden die Rahmenbedingungen stimmen und Bremen das Geld haben, sei es durchaus eine Option.

Wesentlich klarer fällt die Meinung aus dem grünen Verkehrsressort aus. Sprecher Jens Tittmann sagt, man lehne eine Reaktivierung des Tunnels „ganz klar“ ab. „Wir werden den Tunnel garantiert nicht wieder öffnen.“ Tittmann verweist dabei unter anderem auf 2009, als der Tunnel in einem Zustand gewesen sei, bei dem die „komplette Stadt“ gesagt habe: „Macht ihn zu.“ Aus einer „riesengroßen Touristenattraktion“ verkam mit Beginn der 2000er Jahre die Unterführung zu „einem Graffiti besprühten Angstraum“. Sollte es tatsächlich zur Wiederöffnung kommen, müsste „ganz grob“ gerechnet ein „einstelliger Millionenbetrag“ berappt werden – ganz zu schweigen von „enormen Folgekosten“, die unter anderem anfallen würden, um den Tunnel barrierefrei zu gestalten. Ähnlich sieht es Dr. Jan-Peter Halves. Der Chef der City-Initiative spricht sich „ganz klar gegen“ den Tunnel aus. „Früher funktionierte das, heute nicht mehr.“ Eine Reaktivierung sieht er als Rückschritt.

Doch es gibt auch andere Ideen, die Brill-Kreuzung sicherer zu machen. Aktuell tragen Verkehrsressort, das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) und Polizei Daten und Erfahrungen zusammen, ob rund um den Brill Tempo 30 sinnvoll wäre. Bei der nächsten Sitzung der Verkehrsunfallkommission (30. August) solle dann über den Schritt entschieden werden.