BREMEN - Transparenz ist gefragt – Transparenz im Sinne der Internetgeneration, die an die Möglichkeit der unbeschränkten Verfügbarkeit von Informationen glaubt. Mit dem Begriff Transparenz wirbt der Verein „Parlamentwatch“ für sein Internetportal „Abgeordnetenwatch“.

Dort wurde am Montag eine Seite für die Bremer Bürgerschaftswahl freigeschaltet. Die Idee: Wähler können Kandidaten für das Landesparlament online und öffentlich befragen. „Wir konnten bislang 270 Kandidaten ausfindig machen“, formuliert „Abgeordnetenwatch“-Manager Gregor Hackmack. Für jeden Kandidaten gibt es eine Profilseite mit rudimentären Angaben zu Geburtsjahr, Beruf, Wohnort – Kandidaten, die sich ausführlicher präsentieren wollen, müssen dafür bezahlen.

Die Hauptsache aber ist ohnehin eine Formularfunktion. Über sie können Bürger ihre Fragen direkt an die Kandidaten richten. Deren Antworten erscheinen dann auch auf „Abgeordnetenwatch“. Die Fixierung auf die Kandidaten erscheint mit Blick auf das neue und stark personalisierte Bremer Wahlrecht nicht unsinnig. Für Fragen wie Antworten gilt ein „Moderations-Codex“. Nicht freigeschaltet werden beispielsweise „Beiträge mit Beleidigungen, Beschimpfungen und menschenverachtenden Formulierungen“, „Fragen zum Privatleben“ und „Beiträge, die Gewaltherrschaft, Rassismus, Sexismus sowie politische und religiöse Verfolgung vertreten oder deren Opfer missachten und verhöhnen“.

„Bei Kandidaten von Extremparteien wird genau geschaut“, so Hackmack. „Bei drei Verstößen behalten wir uns vor, den Kandidaten zu deaktivieren.“

Wer aber nutzt „Abgeordnetenwatch“? Vielleicht ist es für junge Menschen interessant, zumal ja auch 16-Jährige in Bremen nun wählen dürfen. 2007 hatte der damalige CDU-Spitzenkandidat Thomas Röwekamp mit 18 Fragen einen Spitzenwert. Jüngst, bei der Hamburg-Wahl, wurden dem späteren Wahlsieger Olaf Scholz (SPD) 57 Fragen gestellt. Die Antworten der Kandidaten übrigens werden nicht gelöscht. Sie bleiben und sind auch später noch nachzulesen. Das Internet vergisst eben nichts.