BREMEN - Ist die Jugend 2011 unpolitisch? Eine Frage, die viele junge Leute zum „Bremer Rathausgespräch“ mit Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) in die Obere Rathaushalle lockte. Zur Diskussion standen die Ergebnisse der jüngsten Shell-Studie.

Diese besagt, dass die große Mehrheit der heutigen jungen Generation in Deutschland vieles unverkrampft sieht. Fleiß und Ehrgeiz stehen hoch im Kurs, junge Leute lassen sich weder durch die Wirtschaftskrise noch durch die unsicher gewordenen Berufsverläufe und Perspektiven von ihrer optimistischen Grundhaltung abbringen. Ihr politisches Interesse dagegen hält sich in Grenzen, wenn es auch in den vergangenen Jahren leicht angestiegen ist.

Grund für die eher geringe Neigung, sich politisch zu engagieren, sei auch der große schulische Leistungsdruck, der wenig Raum dafür lasse. So jedenfalls die Äußerungen einiger Schüler, die mit großem Beifall unterstützt wurden. Professor Mathias Albert, einer der Leiter der Shell-Jugendstudie, stellte die wesentlichen Ergebnisse der repräsentativen Erhebung für das Jahr 2010 vor. Die optimistische Grundstimmung unter Jugendlichen hat sich demnach gegenüber 2006 deutlich erhöht: 59 Prozent der Befragten blicken ihrer Zukunft zuversichtlich entgegen (2006 waren es 50 Prozent). Die Studie zeigt jedoch auch deutlich die Spaltung der Gesellschaft, denn Jugendliche aus benachteiligten Familien sind nur zu 33 Prozent zuversichtlich. In Deutschland hängt der Erfolg laut Studie so stark wie in keinem anderen Land von der jeweiligen sozialen Herkunft der Jugendlichen ab. Für Böhrnsen „eine alarmierende Entwicklung“.

Wenn sich das politische Interesse unter Jugendlichen gegenüber den 90er-Jahren leicht verbessert hat, so liegt das an den Zwölf- bis 14-Jährigen: Deren Interesse hat sich nach den Ergebnissen binnen der vergangenen acht Jahre mit 21 Prozent nahezu verdoppelt. Allerdings wollen sich nur 17 Prozent der Jugendlichen in einer Partei engagieren.

Wie kann die Bereitschaft unter Jugendlichen wachsen, sich politisch zu engagieren, das war Thema der Diskussion. „Jugendliche werden mehr bereit sein, sich einzumischen, wenn man ihnen Beteiligungsmodelle anbietet“, unterstrich Albert. Dies müsse aber über die Mitwirkung bei der Ausgestaltung von Spielplätzen oder Schulhöfen hinausgehen, so der Einwand eines Schülers.