Bremen - Es begann mit einer Kneipentour – und endete für einen 38-Jährigen wenig später in Untersuchungshaft. Der Mann muss sich seit Dienstag wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Bremen verantworten. Am Mittwoch räumte der Angeklagte ein, mehrmals auf einen 23-Jährigen eingestochen zu haben. Aus Notwehr, wie er sagte.
Marcel R. wirkt zurückhaltend, als Wachtmeister den 38-Jährigen am Mittwochmittag in den Sitzungssaal führen. So verlegen der Deutsche im Gericht erscheinen mag, so aggressiv muss er, geht es nach der Staatsanwaltschaft, im Juli vergangenen Jahres aufgetreten sein. Vor einem Waller Lokal soll der Angeklagte auf einen 23-jährigen Mann eingestochen haben – einmal ins Bein, ein Stich in die Brust sowie der Versuch, seinem Widersacher die Kehle durchzuschneiden.
Wie zu Prozessauftakt angekündigt, lässt Marcel R. über seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Temba Hoch, eine Erklärung verlesen. In dieser räumt der mehrfach vorbestrafte Gelegenheitsarbeiter ein, am Morgen des 14. Juli gegen 4.40 Uhr zusammen mit dem wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagten Abdulmutalip C. (31) in einen Streit mit zwei Männern geraten zu sein. Die zwei 23-Jährigen sollen, so R., zwei weitere Kneipenbesucher zu bestehlen versucht haben , was R. seinerseits „regeln“ wollte. Er habe sich dazu verpflichtet gefühlt, sagt er. Schließlich sei der Kneipenwirt ein guter Freund von ihm.
Beide Angeklagten hätten zuvor zusammen etwa drei Flaschen Wodka in verschiedenen Bars getrunken und seien so alkoholisiert gewesen, dass sie sich beide kurz vor der Auseinandersetzung übergeben mussten, heißt es von Abdulmutalip C.
Bis Ende Februar hat das Landgericht weitere 15 Termine angesetzt. R. muss wegen versuchten Totschlags mit einer empfindlichen Haftstrafe rechnen. C. drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis.
