BREMEN - Rund 1000 Euro Geldstrafe wegen Körperverletzung für einen von vier Angeklagten vor dem Landgericht Bremen ist alles, was Donnerstag im Prozess wegen versuchter schwerer Erpressung gegen drei „Hells Angels“ und eine 47-jährige Frau übriggeblieben ist. Laut Anklage sollten die drei 35, 37 und 45 Jahre alten Männer im März 2005 einen 49-jährigen Mann in die Clubräume der Rockergruppe „Hells Angels“ gelockt haben. Dort sollen sie den Mann geschlagen haben. Außerdem sollte er, so die Anklage, für seinen Mercedes SL 500 am Tag darauf einen Kaufvertrag unterzeichnen und 15 000 Euro mitbringen. Zudem sollen der Mann und seine Familie von den „Hells Angels“ bedroht worden sein.

Doch bis auf eine Ohrfeige durch den 45-jährigen Rocker konnte vor Gericht nichts nachgewiesen werden. Der Angeklagte räumte die Ohrfeige ein. Das Opfer machte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, um sich nicht selbst zu belasten.

Lediglich von dem Kerngeschehen berichtete der 49-Jährige. „Als ich ins Clubhaus kam, habe ich gleich einen Schlag bekommen“, sagte er. Aufgrund seiner unvollständigen Aussage fehlten dem Gericht jegliche Nachweise für die versuchte Erpressung vor vier Jahren. In seiner Aussage erzählte der 45-jährige Angeklagte, dass das Opfer sich vorher schon mehrmals fälschlicherweise als „Hells Angel“ ausgegeben habe. Dessen damalige Freundin, die 47-jährige Angeklagte, soll sich gegen den Willen des Opfers von ihm getrennt haben.

Der 49-Jährige habe ihr gedroht, dass die „Hells Angels“ sich dafür bei ihr rächen würden. Außerdem hätte er behauptet, die Miete für das Clubhaus bezahlt zu haben. Deswegen habe er den 49-Jährigen zur Rede gestellt. Dieser habe Mitglied der Rockergruppe werden wollen, aber gemeint, nach dem „Verrat“ durch die Frau sei das nicht mehr möglich. „Ich hab ihm eine gescheuert, weil er eine Frau in unserem Namen verkloppen wollte“, so der 45-Jährige in seiner Aussage.

Die Ohrfeige trug dem Mann ein blutendes Ohr ein, dem Schläger nun eine Geldstrafe. Die Ex-Freundin war angeklagt, weil sie die Bande angestiftet haben soll, den 49-Jährigen zu schlagen. Da das Opfer zu diesem Vorwurf keine Angaben machte, wurde sie freigesprochen.

Das Verfahren gegen den 35-jährigen Türken und den 37-jährigen Deutschen wurde eingestellt. Die beiden sitzen übrigens zur Zeit eine Haftstrafe wegen des Überfalls in Stuhr auf die rivalisierende Rockerbande „Bandidos“ ab.