BREMEN - Im Zuge der Bremer Klinik-Affäre wurden jetzt Büros und die Privatwohnung des Hauptverdächtigen durchsucht. Haftbefehl wurde nicht beantragt.
von Ralf Sussek
BREMEN - Der Untreue-Verdacht gegen den fristlos entlassenen Geschäftsführer des Klinikums Bremen-Ost, Andreas Lindner, hat sich erhärtet. Am Donnerstag wurden neun Objekte in Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen durchsucht. Das hat Frank Passade, Pressesprecher der Bremer Staatsanwaltschaft, gestern mitgeteilt.Durchsucht wurden nun unter anderem diverse Büros und die Privatwohnung Lindners sowie weiterer Beschuldigter. Das sind die Geschäftsführer der S&P medconsult GmbH, der Siekertalklinik-Betriebs GmbH sowie der Lindner Management-Beteiligungs- und Besitzgesellschaft mbH. Die wird der Mitteilung der Staatsanwaltschaft zufolge von Lindners Ehefrau geführt. Mittlerweile besteht der Verdacht, dass aus den von Lindner veranlassten Zahlungen „Geldrückflüsse zu dem Beschuldigten sowie zu der durch die Ehefrau des Beschuldigten geführten Firma“ erfolgt sind, teilte die Staatsanwaltschaft mit.
Damit könnten die Ermittler den Tatvorwurf auf Betrug erweitern. Es müsse derzeit davon ausgegangen werden, dass der 39-Jährige Kooperationsverträge mit der Siekertalklinik-Betriebs GmbH sowie Beraterverträge – unter anderem mit der Beratungsfirma S&P medconsult – ohne vertragliche Grundlage abgeschlossen habe. Das heißt: Entweder wurde ohne gültige Verträge gezahlt oder der Zahlung lag zwar ein Vertrag zugrunde, eine Gegenleistung erhielt das Klinikum Bremen-Ost aber nicht. So wurden insgesamt rund 960 000 Euro an die S&P medconsult überwiesen und etwa 550 000 Euro gingen an die Siekertalklinik-Betriebs GmbH. Ob Leistungen dafür erbracht wurden steht noch nicht fest. Trotz des
dringenden Tatverdachts beantragte die Staatsanwaltschaft keinen Haftbefehl gegen Lindner.
