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NWZonline.de Region Bremen

Überbelastet und unterbezahlt

28.05.2019

Bremen Es ist viel los auf der Bürgerweide: Bis Mittwoch, 29.  Mai, findet der 15. Hebammen-Kongress in Bremen statt. 2 000 Teilnehmer werden zum „wohl größten Kongress dieser Art in Europa“ erwartet, sagte Ulrike Geppert-Orthofer, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes. 2 000 Teilnehmer, die über ihre Probleme sprechen wollen. Denn: Davon gibt es nicht wenige.

 Wie viele Hebammen arbeiten in Deutschland, Niedersachsen und Bremen?

Die Zahlen schwanken stark und lassen sich aufgrund der hohen Flexibilität des Berufsbildes nur schwer ermitteln, sagt Heike Schiffling, Vorsitzende des Hebammenlandesverbandes Bremen. Etwa 24  000 Hebammen arbeiten in Deutschland, rund 830 in Niedersachsen und etwa 160 in Bremen. Da viele Geburtshelferinnen teilweise in Kliniken angestellt, parallel aber auch freiberuflich tätig sind, seien genaue Zahlen nur schwer zu ermitteln. Wo liegen aktuell die größten Probleme für Hebammen und werdende Eltern?

Zum einen „sind es einfach nicht genug“, sagt Geppert-Orthofer. Hebammen in Deutschland kümmern sich demnach um drei bis vier, manchmal auch um fünf Gebärende parallel. Zusätzlich zwinge die aktuelle Situation sie dazu, auch berufsfremde Arbeiten zu erledigen, zum Beispiel Telefondienste oder Materialbeschaffung. Die Konsequenz ist zum Teil ein wöchentliches Arbeitspensum von 60 bis 80  Stunden. Hinzu kommt die finanzielle Belastung: Zahlten Beleghebammen im Jahr 2000 noch durchschnittlich etwa 413 Euro Haftpflichtprämie, stieg der Beitrag bis heute stetig an. 2010 waren es rund 3700 Euro, 2018 bereits knapp 8150 Euro jährlich. Zeitgleich sind die Vergütungen der freiberuflichen Hebammenleistungen gesunken. 2015 erhielt eine Hebamme knapp 272  Euro (mit Nachtzuschlag 328 Euro) für eine Geburt in einem Krankenhaus mit Schichtdienst, 2018 waren es nur noch knapp 166 Euro (199 Euro). Für Eltern hat das unter anderem zur Folge, dass sie bis zu 80 Hebammen kontaktieren müssen, um eine zu finden. Wie sieht die Situation in Bremen aus?

„Durchschnittlich“, so Heike Schiffling. Neben der personellen Unterversorgung gibt es in Bremen „überhaupt keine“ Angebote für Schwangere oder junge Mütter, die während oder nach der Geburt an psychischen Erkrankungen leiden. Es gebe zwar Selbsthilfegruppen und diese seien auch hilfreich, aber eben nicht spezialisiert. Schiffling fordert deshalb eine spezielle Tagesklinik. Auch Mutter-Kind-Kuren seien hilfreich, doch aktuelle Angebote würden sich nur an Mütter richten. Eine zwischenzeitliche Kinderbetreuung werde nicht angeboten. Wie viele offene Hebammen-Stellen gibt es in Bremen?

Etwa 20, schätzt Schiffling. Da etwa 43 Prozent aller Hebammen 50 Jahre oder älter sind und auf absehbare Zeit in den Ruhestand gehen, werde sich diese Zahl wahrscheinlich noch erhöhen. Was wird dagegen unternommen?

Ab Herbst 2020 bietet die Hochschule Bremen einen Hebammenstudiengang an. Dadurch könnten sich die Ausbildungsplätze in Bremen verdreifachen, hofft Schiffling. Deutschlandweit werden zukünftig solche Studiengänge angeboten – und damit auch versucht, Hebammen zu binden. Denn: „Hebammen gehen oft weg und verlassen den Ausbildungsort“, weiß Yvonne Bovermann, Beirätin Bildungsbereich beim Deutschen Hebammenverband. Sie hofft: „Dadurch wird die Attraktivität des Berufs enorm gesteigert.“

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