BREMEN - ie wirkt fast zerbrechlich, die 51-jährige Marie Fredriksson, wie sie da am Dienstagabend bei der „Nokia Night of the Proms“ ganz in Schwarz auf der großen Bühne des Bremer AWD-Domes steht. Ihre ganze Kraft, so scheint es, spart die „Roxette“-Sängerin für die Songs auf. Und sie hat nichts von ihrer Ausstrahlung verloren. Willkommen zurück auf der Bühne, „Roxette“!
Das Schweden-Duo ist wieder da, feiert bei den „Proms“ ein grandioses Comeback. Die 8000 Zuschauer im Bremer AWD-Dome sind aus dem Häuschen, klatschen stehend Beifall zu „The Look“, „Must have been love“, „Joy-ride“ und „Listen to your heart“. Lämpchen flammen auf. „It‘s over now“, an diese Zeile im „Pretty-Woman“-Song „Must have been love“ mag Marie Fredriksson vielleicht gedacht haben, als sie vor sieben Jahren die niederschmetternde Diagnose Hirntumor bekam. Schon damals sollten die Chartstürmer von „Roxette“ bei den „Proms“ auftreten. Doch daraus wurde dann nichts. Marie hat die Krankheit niedergekämpft, auch wenn diese Spuren hinterlassen hat. Gemeinsam mit Per Gessle hat sie ein Comeback gewagt – zur Freude des Publikums.
Das hält fast den Atem an, bevor die Schweden im zweiten Teil des Abends erneut auftreten. Denn so manch einer hatte Schlimmes befürchtet, als Marie in ihrem türkisfarbenen Anzug auf einem Stuhl sitzend von unten auf die Bühne hochgefahren wurde und ebenso wieder abtauchte – ohne ihre Sitzposition auch nur irgendwie zu verändern. Doch im zweiten Teil geht sie gemeinsam mit Per Gessle aus dem Dunkel auf die Bühne, groovt mit. Ihre Bewegungen sind zwar verhalten, sie steckt ihre ganze Kraft in die Stimme. Ob des Jubels der Zuschauer scheint die 51-Jährige mit den kurzen, blonden Haaren geradezu ein wenig gerührt.
Insgesamt sehen die Zuschauer im AWD-Dome ein gutes, abwechslungsreiches Konzert, das allerdings ein wenig braucht, bis es richtig in Schwung kommt. Das mag daran liegen, dass die ungarischen Zwillinge Peter und Zoltan Katona mit ihren klassischen Gitarren zu den Klängen des – wie immer – grandiosen Orchesters „Il Novecento“ (einfach klasse die Ouvertüre zu „Dichter und Bauer“) nicht so recht durchdringen können.
Beim zweiten Auftritt ist das erheblich besser. Die Österreicherin Christina Stürmer macht ihre Sache gut, doch passen ihre Lieder nicht so ganz in den „Proms“-Reigen. Vielleicht ist auch die Songauswahl mit dem Lied über die sterbende Mutter nicht ganz glücklich. Bei „Heaven 17“ im wabernden Nebel taut das Publikum langsam auf, und bei Alan Parsons gibt‘s vor der Pause kein Halten mehr. Gemeinsam mit Sänger PJ Olsson rockt Parsons mit „Eye in the sky“ und „Games people play“ die Halle. Berührend der Song „Silence and I“, den er seinem vor wenigen Tagen verstorbenen früheren Partner Eric Woolfson widmet.
