BREMEN - Die „Wish“-Tour musste verschoben werden. Frontmann Rea Garvey musste sich an den Stimmbändern operieren lassen.
von Ralf Sussek
BREMEN - Lange mussten die Fans auf Reamonn warten, und das nicht nur an diesem Abend. Die Formation um Rea Garvey lieferte am Donnerstagabend im ausverkauften Pier 2 ein denkwürdiges Konzert ab.Es ist fast 21.15 Uhr, als sich Reamonn endlich auf der Bühne zeigen. „Ihr habt lange auf uns gewartet“, sagt Frontmann und Namensgeber Rea Garvey, und damit meint er nicht diesen Abend. Probleme mit seiner Gesundheit und eine notwendige Operation an seinen Stimmbändern waren der Grund, warum die für vergangenes Jahr geplante „Wish“-Tour auf dieses Jahr verschoben werden musste.
„Als der Arzt mir sagte, dass ich meine Stimme verlieren könnte, fiel mir alles aus dem Gesicht“, sagt Garvey in seinem sympathischen Deutsch. Der Ire dankt seiner Familie, seinen Fans, die ihm reihenweise Briefe geschrieben hätten, „richtige handgeschriebene Briefe, man glaubt gar nicht, dass es so etwas noch gibt“.
Viel Kraft habe ihm das gegeben. Ihm, der glaubte, alles allein hinkriegen zu können. Es klingt ehrlich, nicht pathetisch, und doch gibt es da diese Ergriffenheit in der Halle. Einen kurzen Moment. Und dann brandet der Jubel los – als wollten ihm die Fans auch für diesen Abend die nötige Kraft geben.
Für 110 Minuten Musik ohne Pausen, für eine exzellente Bühnenoptik, für einen Sound, von dem man im Pier 2 nicht zu träumen gewagt hätte. Schon deswegen hat sich das Warten gelohnt.
Man glaubt es kaum, dass die Band an Silvester 1998 das erste Mal zusammen gespielt hat. Und sich innerhalb von zwei Jahren in der europäischen Musikszene etablieren konnte. Nur an den Live-Qualitäten kann’s nicht liegen, denn auch die Alben verkaufen sich bestens, sind mehrfach mit Gold und Platin prämiert.
Die Performance zeigt aber erst richtig die Qualitäten der Band. Und dass Garvey dann beim Hit „Allright“ plötzlich auf der Empore des Pier 2 auftaucht, ganz nah dran auch an diesen Fans, ist ein weiterer Überraschungseffekt.
Keine Überraschung sind die Texte, die Songs – aber auch diesen vermögen dem Phänomen „Reamonn live“ Besonderes, Unbekanntes einzuhauchen. Und schrecken beim Latino-Intro für ihren Hit „Tonight“ auch nicht vor Grenzübertritten zurück. Natürlich spielen sie zu Beginn ihrer kurzen Zugabe auch ihr „Supergirl“, den Song, mit dem sie international bekannt wurden und der in Deutschland ein halbes Jahr in den Charts war. Ein halbes Jahr, zwei Monate länger, als die 2700 Fans auf Reamonn warten mussten . . . Verzeihung, warten durften.
