BREMEN - Das Kompliment kam von Herzen: „Ach, Bremen, Ihr macht ,Ich & Ich‘ zu einer wirklich guten Reise.“ Der ehrliche Dank von Adel Tawil für das furiose Ende der großen Hallentournee des erfolgreichen Pop-Duos.
Es mögen wohl gut 5 000 Fans gewesen sein, die sich am vergangenen Sonnabend für die Musik und gegen den Fußball entschieden hatten – eine rundum gute Entscheidung, wie sich angesichts des Werder-Debakels herausstellen sollte. Als Adel Tawil gegen 20.45 Uhr auf die Bühne trat, da brach der Jubel los. Eine Welle, die die folgenden zwei Stunden anhalten sollte.
Den Auftakt machte der charismatische Sänger mit dem Hit „Einer von Zweien“. Vom ersten Takt an schwappte der Soul bis unters vollbesetzte Hallendach. Abgesehen von einer effektvoll eingesetzten Lichtshow verzichtete „Ich & Ich“ auf große Effekte und Show.
Die Botschaft war klar: Hier steht die Musik im Vordergrund. Frontmann Tawil zeigte im Laufe des Abends viele warme Facetten seiner eindringlichen Soulstimme. Natürlich durften all die großen Hits des wohl ungewöhnlichsten Pop-Duos der Jetztzeit – Ex-Ideal-Frontfrau Annette Humpe sorgt für die Texte, hat sich aber vom Bühnengeschehen längst verabschiedet und überlässt dem knapp 30 Jahre jüngeren Adel Tawil das Feld – nicht fehlen. „Pflaster“, „Stark“, „Vom selben Stern“ und die große Hymne „So soll es bleiben“ werden geschickt mit neuen Balladen des aktuellen „Gute-Reise“-Albums abgewechselt. Viel Gefühl steht im Vordergrund bei den eindringlichen Texten, doch von Rührseligkeit sind „Ich & Ich“ weit entfernt.
Immer wieder brechen Muster auf, bevor sie sich einbrennen können. Plötzlich wurde es orientalisch, und der Sänger mit ägyptisch-tunesischen Wurzeln lässt gekonnt die Hüften kreisen.
Dann wieder urplötzlich schwangen karibische Beats durch die Halle.
Unprätentios und pur – so lässt sich der Auftritt von Tawil noch am ehesten in einer Klammer greifen. Der 31-Jährige hatte sein Publikum vom ersten Ton an für zwei Stunden fest im Griff.
Und die wohl schönste Anerkennung für einen Musiker: Tawil bewegte die Massen. Zuckersüß sang er mit zwei kleinen etwa zehnjährigen Fans, Paare in den 30ern und auch ältere Semester vergnügten sich gleichermaßen zum satten Sound.
Das lag auch an der fantastischen siebenköpfigen Band, die den Sänger begleitet. Die Musiker wissen allesamt zu überzeugen, so dass zusammen mit der Stimme von Tawil ein homogenes Ganzes entsteht. Für den sichtlich bewegten Sänger war es schlussendlich ein „zauberhafter Abend“. Auch, wenn er am Ende seinen Vollbart abrasieren musste und im Schnauzer dastand.
Ein Teppichhändler aus Damaskus könne er jetzt sein, scherzte er ob seines Wetteinsatzes – wäre da nicht die tobende Masse vor ihm, die Zugabe um Zugabe verlangt.
