BREMEN - Die Shakespeare-Company spielte einige Szenen. Ein dusseliger Massenmord amüsierte das Publikum.
Von Alice Bachmann
BREMEN - Was sind schon fünf Tage, wenn sie im Blutrausch verbracht werden? Eine viel zu kurze Zeit, wie Jürgen Alberts zur Einleitung des Endes der Bremer Krimi-Tage sagte. Auch der Abschiedsabend der „Prime Time – Crime Time“ im Hause der Bremer Shakespeare Company war als Mischung aus Musik und Wortbeiträgen gestaltet. Hinzu kamen noch gekonnte Einlagen des Ensembles von „Balladen, Blues, bizarre Witwen“.So wurde das Publikum von einem besonderen Saaldiener empfangen: Ein dunkel gekleideter Herr mit weißen Kreuzen auf Hemd und Schuhen spielte den Platzanweiser, während sich auf der Bühne ein anderer abmühte, ein Grab auszuschaufeln.
Die Shakespeare-Witwen hatten zweierlei in sich – die gepflegte Sangeskunst und die böse Ironie auf den Verblichenen. Dem standen die Wortbeiträge in nichts nach. Da war etwa Ralf Kramp, seines Zeichens Verleger und Autor und Veranstalter von ganzen Kriminalwochenenden als Rollenspiel für Erwachsene. Die Leiche wird vom Haus gestellt, betonte Kramp. Es handele sich bei dem Angebot nicht um eine Möglichkeit, unliebsame Menschen verschwinden zu lassen.
Und dann las der Mann mit der hohen Stirn und dem seriösen Beamtengesicht in betont sachlichem Duktus eine Kurzgeschichte von der verzwickten Sache mit den drei Tropfen im Kaffeefilter. Die allerdings für den Protagonisten gar nicht so ausging wie geplant. Der liebte nämlich seine Oma, brauchte aber leider dringend ihr Geld. Da sie sich bester Gesundheit erfreute, wollte er mit etwas Gift im Kaffee nachhelfen. Mit fast unbewegter Miene trug Kramp die Verwicklungen und dummen Zufälle vor, die schließlich dafür sorgten, dass sich in Omas Wohnung plötzlich eine Menge Leichen befanden, die Polizei im Anmarsch war und der Enkel freiwillig nach dem bitteren Kaffee verlangte. Selten hat wohl ein Publikum so über einen dusseligen Massenmord auf der Bühne gelacht.
Ganz andere Kost bot Val McDermid, die aus ihrem neuen Roman las. „Tödliche Worte“ ist der Titel der deutschen Ausgabe, die sich sicherlich für Leser empfiehlt, deren Englisch etwas eingerostet ist. Wer aber in der Sprache fit ist, sollte es sich nicht nehmen lassen, die Jagd auf den ekligen Frauenmörder im Original zu lesen.
