BREMEN - Die meisten Gewalttaten in Deutschland werden laut Statistik von nur wenigen Intensivtätern verübt. Die Teilnehmer an der Fachtagung „Gewaltkarrieren junger Menschen in Bremen und Bremerhaven“ suchten am Donnerstag im Aus- und Fortbildungszentrum Bremen nach geeigneten Strategien, wie man kriminelle Laufbahnen effizient stoppen kann. Laut Statistik nimmt Bremen im Städtevergleich einen Spitzenplatz bei den Gewalt- und Diebstahlsdelikten ein. Die Täter sind jung und meist männlich.
Wie Referent Holger Münch vom Landeskriminalamt berichtete, werden rund 90 Prozent der Delikte in Bremen auch von Bremer Tätern begangen, die Hälfte geschehe sogar im eigenen Wohnviertel. Um auffällige Jugendliche vor einer Gewaltkarriere zu bewahren, wollen Bremens Ressorts für Bildung, Soziales, Inneres und Justiz enger und schneller zusammenarbeiten.
Zu den Faktoren, die eine kriminelle Laufbahn fördern, zählt Kriminologie Professor Peter Wetzels die soziale Lage, familiäre Gewalt, elterliches Desinteresse, Alkohol und Suchtmittel sowie häusliche Gewalt, fehlende strukturierte Freizeitangebote, Fluktuation in den Wohngebieten und den Anschluss an Gruppen von Gleichaltrigen, die Straftaten begehen. Ein zusätzlicher Faktor sei insbesondere bei muslimischen Jungen und Männern ein religiös-kulturell bedingtes Ehrgefühl. Nach einer Hamburger Studie sind laut Wetzels so genannte Intensivtäter für über ein Viertel aller Delikte und gut ein Drittel der Gewaltdelikte verantwortlich. Auf sie treffe eine Reihe der Risikofaktoren zu. In Bremen zeigten sich laut Münch zwei spezielle Problemfelder. So wurden rund drei Viertel der 1569 Straftaten, die unter 21-Jährigen zugeschrieben werden, in der Gruppe ausgeübt. Zudem kommen allein auf 191 Tatverdächtige aus 45 Bremer Familien über 5700 Delikte.
Besonders auffällig seien hier Bremer Kurden mit streng hierarchischen Familienstrukturen. Die zunehmende Aufteilung in arme und reiche Viertel führe zu Gebieten, in denen sich Risikofaktoren häuften, und in denen kriminelle Gruppen zunehmend organisierte Strukturen aufwiesen. Hier müssten dringend Konzepte entwickelt werden, so Münch. Insbesondere der Umgang mit „Schwellentätern“, die bereits mehrfach auffällig waren, müsse konsequenter werden.
