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NWZonline.de Region Bremen

Kriminalität: Verteidigung fordert Freispruch für Pflegehelfer

18.02.2020

Bremen Wegen schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen und gefährlicher Körperverletzung soll ein 40 Jahre alter Pflegehelfer für sieben Jahre ins Gefängnis – das hat am Montag Staatsanwalt Martin Gwinner vor dem Bremer Landgericht gefordert. Zudem sprach er sich für ein lebenslanges Berufsverbot im Pflegebereich aus. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Nach Ansicht der Verteidigung könne das Geständnis des Mannes, das für die Anklage „Dreh- und Angelpunkt“ sei, nicht verwertet werden.

Nach Auffassung des Anklagevertreters spritzte der Angeklagte zwei Bewohnerinnen eines Bremer Pflegeheims im März vergangenen Jahres Insulin, ohne dass dafür eine medizinische Notwendigkeit vorgelegen hatte. Durch die im Anschluss vom Angeklagten durchgeführten Reanimationsversuche habe er sich Anerkennung von seinen Kollegen erhofft. Die beiden Frauen im Alter von 75 und 88 Jahren seien bettlägerig und auf fremde Hilfe angewiesen gewesen. Gerade diese Umstände, so Staatsanwalt Gwinner in seinem Schlussvortrag, seien strafschärfend zu berücksichtigen. Die Staatsanwaltschaft stützte ihr Plädoyer vorrangig auf das Geständnis des Mannes, das er kurz nach seiner Festnahme am 9. April 2019 bei der Polizei abgab. Laut Gwinner sei der 40-Jährige weder von Polizisten beeinflusst noch unter Druck gesetzt worden. Sein Geständnis könne daher verwertet werden.

Die Vernehmung ihres Mandanten, so die Verteidigung, sei „rechtswidrig“ und „grenzüberschreitend“ gewesen, sagte Rechtsanwalt Temba Hoch. Der Pflegehelfer sei zum einen nicht auf seine Rechte als Beschuldigter hingewiesen worden und hätte unverzüglich einem Haftrichter vorgeführt werden müssen, zum anderen hätten ihn die Polizisten rund sieben Stunden vernommen, ohne dass er etwas zu essen oder trinken bekommen habe.

Als „maßgebliche Zäsur“ bezeichnete Anwalt Hoch jedoch den Fund mehrerer ärztlicher Atteste über seinen Mandanten, die bewiesen, dass der Angeklagte zum Vernehmungszeitpunkt psychisch nicht in der Lage gewesen sei, ohne rechtlichen Beistand ein solches Verhör durchzustehen. Lea Voigt, ebenfalls Anwältin des Angeklagten, sagte: „Die Strafverfolgungsbehörden wollten um jeden Preis ein Geständnis aus ihm rausholen.“ Denn: Trotz ärztlicher Empfehlung, ihn zu behandeln, sei der Mann auch am Folgetag über Stunden vernommen worden. Die Kammer will am Donnerstag das Urteil verkünden.

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