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NWZonline.de Region Bremen

Kultur: Das einstige „Casino“ bot auch Platz für Politik

02.04.2020

Bremen Ein prächtiges Bauwerk mitten in einer wachsenden, von der Gründerzeit beflügelten Stadt – das war das anno 1877 errichtete „Casino“ in der Straße Auf den Häfen, Ecke Albrechtstraße (Ostertor). In den Räumen, Speise- und Tanzsälen gab es Platz für 5000 Menschen. Jahrzehntelang war das „Casino“ ein beliebter Treffpunkt.

In ganz Bremen – zwischen Horn und Huckelriede – gab es in den Jahrzehnten vor und nach dem Ersten Weltkrieg etliche Tanz- und Ausflugslokale mit Platz für Konzerte, Feste und Varietévorstellungen. Aber das prächtige „Casino“, gebaut auf dem einstigen Areal einer Pferdehandlung, bot noch mehr.

Parteitag und Filmabend

Es bot nämlich – in seinem Hauptsaal – auch noch Platz für politische Versammlungen. Dabei war man nicht wählerisch, das Spektrum war sehr weit gefasst: „1904 fand im ,Casino‘ der Parteitag der SPD statt und am 28. November 1930 sprach hier Adolf Hitler“, heißt es im „Großen Bremen-Lexikon“ des Historikers Herbert Schwarzwälder (1919 bis 2011). Kommunisten organisierten im „Casino“ Filmabende für Arbeiter.

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Zurück ins Jahr 1904. Es war der 15. reichsweite Parteitag der SPD, er dauerte vom 18. bis zum 24. September. August Bebel (1840 bis 1913), Reichstagsabgeordneter und Mitbegründer der deutschen Sozialdemokratie, berichtete in seiner Rede im „Casino“ vom VI. Internationalen Sozialistenkongress in Amsterdam.

Viele Versammlungen

Dort war es um Themen wie Sozialpolitik, Arbeiterversicherung und Kolonialpolitik gegangen. Überhaupt hatten die Sozialdemokraten viel zu besprechen. Der Protokollband ihres Bremer Parteitags umfasst mehr als 150 in enger Frakturschrift bedruckte Seiten. Wer mag, kann das noch heute alles in der Online-Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung nachlesen. Die Sozialdemokraten tagten im „Casino“ vormittags in der Zeit von 9 bis 13 Uhr und nach der Mittagspause dann noch einmal von 15 bis 19 Uhr.

Bebels Auftritte im „Casino“ hatten durchaus Folgen. So heißt es, dass sie die Bremerin Anna Stiegler (1881 bis 1963) motivierten, der SPD beizutreten. Stiegler, nach der in Kattenturm eine Straße benannt ist, wurde eine bedeutende Vertreterin der Frauenbewegung. Von 1918 bis 1933 war sie Bürgerschaftsabgeordnete. Die Nationalsozialisten sperrten sie erst ins Gefängnis und später ins KZ Ravensbrück. Von 1946 bis kurz vor ihrem Tod saß sie als SPD-Abgeordnete wieder in der Bürgerschaft.

Zurück ins „Casino“. Auch für die Rechte der Frauen wurde hier gekämpft. Am 8. März 1911 zum Beispiel – am Internationalen Frauentag also – versammelten sich Sozialdemokratinnen im großen Saal des Hauses. Es ging um das Frauenwahlrecht – wie auch bei einer weiteren Versammlung im März 1914, zu der 3000 Besucherinnen gekommen waren.

2000 Bremerinnen

2000 Bremerinnen waren es am 10. November 1918. Diese Versammlung leitete Anna Stiegler. Neben Sozialdemokratinnen waren auch Vertreterinnen der bürgerlichen Stimmrechtsbewegung im „Casino“ erschienen. Es waren die Tage der Novemberrevolution.

Und das „Casino“? Im Zweiten Weltkrieg wurde es zunächst als Getreidelager genutzt. Im September 1940 wurde das „Casino“ zu einem Lager für holländische Zwangsarbeiter – anfangs 530, später 650 Männer. Im August 1944 zerstörten Bomben das beliebte Gebäude. Die Ruine wurde dann im Jahr 1953 abgerissen.

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