BREMEN - Kultur, Sport, Bildung – Bremen und das israelische Haifa sind Partnerstädte, es gibt viele Begegnungen. Als „bedeutsam“ bezeichnet Haifas Oberbürgermeister Yona Yahav diese Partnerschaft im Gespräch mit unserer Zeitung. Es gelte, sie auf vielen Ebenen mit Inhalt zu füllen. Einige neue Vorschläge hat er jetzt nach Bremen mitgebracht. Yahav war zum Benefizkonzert des Bundespräsidenten an die Weser gereist. Der Bremer Teil des Erlöses geht an die Kulturstiftung „Haifa Arts Foundation“.

Bremen, Haifa und die israelische Regierung gründeten die Stiftung vor 30 Jahren, Bremer Bürgermeister war damals noch Hans Koschnick (SPD). Er initiierte die Stiftung. Sie unterstützt, so Yona Yahav, „junge Künstler am Beginn ihrer Karriere“.

Unterstützung – ein Stichwort, das die Verbindung von Haifa und Bremen auch auf ganz anderer Ebene beschreibt. Vor dem Hintergrund der Angriffe auf Haifa während des Libanon-Kriegs besuchte Bürgerschaftspräsident Christian Weber (SPD) die Partnerstadt im Juli 2006. In solchen Zeiten sei es sehr wichtig zu sehen, wer einem zur Seite stehe, sagt Yahav. „Und die Stadt Bremen war an unserer Seite.“ Wenig später legte Weber den Kontakt zu Schülern des Hermann-Böse-Gymnasiums, die Haifas Oberbürgermeister zu einer Diskussion trafen.

In wenigen Tagen nun beginnt eine Haifa-Reise der Bremer Schüler. „Dass Jugendliche Israel kennenlernen, ist für uns sehr wichtig.“ Gehe es doch auch darum, so Yahav, die Freundschaft von Generation zu Generation weiterzutragen.

Zudem soll sie um neue Bereiche erweitert werden. Firmen aus Haifa wollen sich mit einem „Haifa-Tag“ der Wirtschaft präsentieren, um Kontakte zu knüpfen. Welche Branchen? Sicherheit und Personenschutz werden genannt, die Hafenwirtschaft und Hochtechnologie.

Ein weiterer Vorschlag der Israelis ist die Kooperation zwischen Abteilungen von Krankenhäusern in Bremen und Haifa. Gedacht wird an den Austausch von Personal („auf allen Ebenen“) und Patienten. Patienten? Ja, etwa in der Psychiatrie. „Leider wurden wir zu Experten in der Post-Trauma-Behandlung“, nennt Yahav ein Beispiel aus dem Leben eines Landes, in dem Terror, Krieg und Bombenangriffe seit Jahrzehnten den Alltag mitprägen. Wie geht eine Gesellschaft mit den Traumata um, die daraus folgen? Eine Frage, mit der sich Yahavs Ehefrau wissenschaftlich beschäftigt hat.

Rivka Yahav ist Psychologin an der Universität Haifa. Über Ergebnisse ihrer Studie zum Alltagsleben mit Bombenangriffen spricht sie heute, am 3. April, im Haus der Wissenschaft (17 Uhr). Alltagsleben im Angesicht einer Bedrohung durch Bomben – das stellt ihren Mann als Oberbürgermeister vor besondere Herausforderungen, macht ihn auch hier zu einem Experten wider Willen. So verlegte seine Stadt schon Schulunterricht ins Internet, baute Tiefgaragen von Einkaufszentren zeitweise zu Kindergärten um. So tief und so abgeschottet, dass die hier in Sicherheit spielenden Kinder bei Angriffen auf Haifa die Alarmsirenen nicht hören müssen.

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