BREMEN - Die Vorstellung, in der eigenen Wohnung ein mehrmonatiges Kunstprojekt zu starten und öffentlich zugänglich zu machen, klingt gewagt. Eine Bremer Wohngemeinschaft hat aber genau das getan und lud am Wochenende zur Eröffnung ihres Projektes „Der vierte Raum“ ein. Etwa bis Ende Mai werden in diesem Privatraum öffentliche Veranstaltungen stattfinden.

Ein karges Treppenhaus führt in den dritten Stock hinauf in eine Vier-Zimmer-Wohnung. Im Inneren herrscht reges Gemurmel und schon im schmalen, länglichen Flur stehen überall Menschen. Eine Besucherin, die über Hörensagen von der Aktion erfahren hat, sieht sich gespannt den so genannten vierten Raum an und ist sogleich ein wenig enttäuscht.

„Und was soll das jetzt? Da ist ja gar nichts drin“, stellt sie verwirrt fest. Das etwa 15 Quadratmeter große Zimmer ist bis auf die Menschen, die darin stehen und sich unterhalten, leer. Weiße Raufasertapete und ein heller Laminatboden – das war es.

Bewohnerin Yvonne Bialek hat die kuratorische Leitung des Zimmers übernommen und erklärt, dass sie den Raum am Eröffnungsabend bewusst leer gelassen hat. Für die Gestaltung des ersten Abends hat sie Anneli Käsmayr vom „dilettantin produktionsbüro“ eingeladen.

Die ehemalige Betreiberin des Restaurant-Projekts „Dreijahre“ erklärt: „Statt Bilder aufzuhängen oder Produkte auszustellen, fand ich es interessanter, die Kunstakteure selbst in den Raum zu holen.“ Der Clou dabei: Die Künstler waren alle monochrom gekleidet und gestalteten den leeren Raum damit einfach durch ihre Anwesenheit.

Yvonne Bialek ist gespannt, wie sich das Projekt in der nächsten Zeit entwickeln wird. „Es geht natürlich auch stark um die Frage, wie weit das mit der Öffentlichkeit geht – und wo die Grenzen sind, an die man stößt.“

Ihre beiden Mitbewohner Sebastian Reuschel und Adel Alameddine haben in dem leeren Raum derweil ein Mischpult aufgebaut und legen Musik auf. Jeden Mittwochabend werden die beiden von nun an den Plattentellern stehen, wenn es heißt: „Time and Place – Music, Networking, Open Space“.