BREMEN - Mit Graffiti beschmierte Kachelwände, ein heruntergekommener Imbiss und grelles Neonlicht – in der U-Bahn-Station „Zoologischer Garten“ herrscht eine deprimierende Atmosphäre. Zwischen Punks, Obdachlosen, Skatern und Büroleichen singt ein junges Mädchen mit staunend großen Augen: „Früh am Morgen in einer fremden Stadt (...)Wahnsinn, das isse, die Luft von Berlin...“.
„Linie 1“ zählt seit seiner Uraufführung 1986 im Berliner Grips-Theater zu den erfolgreichsten deutschen Musicals. Der gleichnamige Film von Reinhard Hauff kam 1988 in die westdeutschen Kinos.
Mit der neuen Inszenierung für das „Kult“ (ehemaliges Waldau Theater) ist der Regisseurin Barbara Begerow und dem musikalischen Leiter Thomas Blaeschke ein mitreißendes Musical gelungen, das wie im Original mal sozialkritisch, mal kabarettistisch und dann wieder zum Weinen schön ist. Im Gegensatz zur ursprünglichen Fassung des Bühnenstücks kommt diese Variante mit knapp zweieinhalb Stunden aus.
Die Musicaldarsteller überzeugen am Premierenabend allesamt in mit ihrem gesanglichen, tänzerischen (Choreographie: Bernd Lanzke) und schauspielerischen Talent. Es ist offensichtlich, dass sie alle großen Spaß dabei haben, in die vielen unterschiedlichen und extremen Charaktere zu schlüpfen. Das Bühnenbild (Roland Wehner), das immer wieder zwischen schmuddeliger U-Bahn-Station und dem Inneren eines Fahrwagens wechselt, stellt die Atmosphäre der vorherrschenden sozialen Kälte und Anonymität in der Großstadt heraus.
Zum Inhalt: Ein Mädchen vom Lande (Sara Dähn) ist zum ersten Mal in Berlin, um seinen Freund und Rocksänger Johnnie zu suchen. Völlig überfordert von der fremden Großstadt und den vielen Menschen, versucht es auf eigene Faust mit der U-Bahn-Linie 1 nach Kreuzberg zu fahren, wo Johnnie angeblich wohnt. In seinem braven Outfit – Bambi-T-Shirt und rosafarbene Strickjacke – passt es so gar nicht zu den anderen Leuten, die an der U-Bahn-Station herumlungern.
Die U-Bahn-Fahrt entpuppt sich für das Mädchen bald als eine Odyssee, nachdem es feststellen muss, dass Johnnies Adresse gar nicht existiert und es nicht weiß, wo es nach ihm suchen soll.
„Linie 1“ läuft bis Anfang Juni mehrmals im Monat im „Kult“. Die Karten kosten zwischen 22 und 46 Euro.
