BREMEN - „Gleich geht’s mit dem Schiff zur beleuchteten Schlachte, das wird bestimmt schön“, sagt Uwe Harms. „Danach gucken wir, was im Dom so im Keller liegt und weiter geht’s auf jeden Fall noch ins Wuseum.“ Harms zieht mit Sohn und Mutter durch die „Lange Nacht der Museen“.

Im Speicher XI (Überseestadt) wuseln alle Altersgruppen durch das Hafenmuseum. Die Kuratoren haben sich einiges einfallen lassen. Helmut Behrens, einst Baumwollküper im Hafen, zeigt den Besuchern, wie die Proben zur Qualitätskontrolle aus der Rohware gezogen und verpackt wurden: „80 Gramm fürs Kontor, 250 Gramm für die Baumwollbörse“, erklärt Behrens, während die Kinder eifrig rollen und packen. Wenn einem Käufer die Ware nicht gefiel, hatte die Schiedsstelle in der Baumwollbörse das letzte Wort, erklärt Behrens.

Dort prüften die Klassierer Faserlänge und Güte der Wolle. Sie bestimmten damit auch über die weitere Verwendung, ob etwa für Samt oder Leinen. So ein Experte ist Bernd Töllner. Er kennt die Antworten auf die vielen Fragen zu den verschiedenen Baumwollarten, die jeder anfassen und begutachten darf. Die flauschigen Proben stammen unter anderem aus Syrien, Ägypten, den USA, dem Senegal, Israel und Pakistan.

Kuratorin Anne Schweisfurth ist begeistert: „Es läuft super“, sagt sie. „Die alten Hafenarbeiter erzählen, und die Leute freuen sich über die ‚Goldene Kaffeebohne’, die es zu gewinnen gibt. Eine wirklich nette Atmosphäre. Genauso wünscht man es sich.“ Inzwischen ergattern schon die ersten einen Platz für die zweite szenischen Lesung des Abends – über einen, der Sehnsucht nach seinem Leuchtturm hat. Andere wollen unbedingt die Küperprüfung bestehen. Sie wickeln mit Behrens Proben, wiegen Kaffeesäcke, beladen Schwergutfrachter, schnuppern Tabak und knoten ihren ersten Palstek. Für jede Station gibt es einen Stempel und am Schluss die Belohnung – den Küperbrief samt „Goldener Kaffeebohne“.

Erich und Inge Bremermann aus Borgfeld sind jedes Jahr so unterwegs. „Wir waren schon im Übersee-Museum und im Hafenmuseum und wollen per Schiff zur Schlachte und zum Wagenfeld-Haus“, sagen sie. Die Bootsfahrt sei besonders schön und es gäbe immer etwas Neues zu entdecken. Das Übersee-Museum beispielsweise sei sehr schön gemacht. „Da müssen wir noch mal hin.“

Vom Regen lassen sich die Museumsbummler dabei nicht abhalten. Ob Dom, Gerhard-Marcks-Haus oder Städtische Galerie: schon von weitem sieht man die Besucher auf ihr Ziel zusteuern. In der Städtischen Galerie im Buntentor schlendern die Gäste mit Bier oder Wein durch weiße Räume mit viel Platz, Venusfallen und Sonnentau. Die fleischfressenden Pflanzen, Kakteen und Gummibäume sind Teil der Ausstellung „(re)designing nature“. Die kühl-entspannte Atmosphäre gibt Zeit zum Durchatmen, Besinnen und Sammeln für die nächste Station der „Langen Nacht“.