BREMEN - In einem sind die Leute vom Bremer Theaterschiff äußerst großzügig: Sie lassen ihr Publikum auch gern mal hinter die Kulissen blicken. Im Februar plauderte eine Theater-Putzfrau abendfüllend vom Dasein hinter der Bühne („Aurora, bitte übernehmen sie!“). Nun kann man einem Alleinunterhalter zusehen, wie er sich auf und hinter der Bühne durchs schwierige Entertainer-Leben hangelt. „Ginger & Roger“ hatte am Donnerstag Premiere.

Das Stück stammt aus der Feder des Theaterschiff-Chefs Knut Schakinnis, der auch Regie führte. Auf der Bühne wirkt auch diesmal nur ein Mensch: Schauspieler Jochen Simon bleibt der einzige Darsteller des Abends. Er spielt den Schauspieler Roger, der von seiner Bühnen- und Lebenspartnerin Ginger unmittelbar vor Showbeginn sitzengelassen wird – das Abendprogramm steht auf der Kippe.

Zu Beginn erscheint er etwa als Feuerwehrmann, der in stoischem Desinteresse eine Sicherheits-Einweisung à la Lufthansa gibt, auf Deutsch und, zum Schreien komisch, auch nochmal auf Holländisch: Jochen Simons Slapstick-Qualitäten waren der perfekte Aufwärmer für einen Theaterabend, der an anderer Stelle auch seine Schwächen hatte. Eine Handlung gibt es nur in homöopathischer Dosis, das

Stück wirkt über lange Strecken wie ein Flickenteppich von nur notdürftig zusammenhaltenden Wort- und Schlager-Musikelementen.

Doch das kann für einen wie Jochen Simon gerade eine Herausforderung sein. Besonders im zweiten Teil, als Roger in bester Travestie-Manier als Glitzer-Ginger erscheint, entwickelt er sich zu einer mitreißenden Rampensau im besten Sinne. Streckenweise schwach, gerettet durch einen hinreißenden Alleindarsteller.

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