BREMEN - „Ich bin wegen der Ausstellung ,Rückgabe der Beutekunst‘ hier“, so eine Besucherin aus Verden. Viele Besucher sind am Sonntag eher zufällig am „Tag der Restaurierung“ in der Kunsthalle anwesend. Aus Hamburg war eine ehemalige Restauratorin angereist, um zu schauen, wie sich die Arbeit verändert hat. „Ich glaube, Klimakisten gab es vor 20 Jahren noch nicht.“ Eine andere Besucherin fand den Vortrag über die Altersrisse interessant. „Das konnte ich jetzt an den Originalen nachvollziehen.“
Enttäuscht waren viele Besucher, dass die Werkstätten geschlossen waren. Auch die Restauratorinnen bedauerten, dass ein „Blick über die Schulter“ nicht möglich sei. Da die Kunsthalle zum Ende des Jahres schließt, würden aktuell keine Restaurationen vorgenommen. Die Werkstatt sei momentan ein Depot.
Diplom-Restauratorin Julia Tholen erklärte in einer Powerpoint-Präsentation an dem Bild „Baumallee bei einem Städtchen“, was alles zutagekommen kann. Sie fand heraus, dass der Namenszug auf dem Bild gar nicht der des echten Künstlers war. Der eigentliche Maler Paul Vogler wurde zu Alfred Sisley, weil für ihn mehr Geld zu bekommen war. Vogler hatte sich stark an Sisley orientiert. So konnte es passieren, dass Kunstkenner nichts bemerkten.
Amelie Menck-Schaa berichtete darüber, wie Kunst auf Reisen geht. „Kunststücke sind einmalige, unwiederbringliche Schätze und dürfen keinen Schaden nehmen.“ Wenn Bilder altern, wird die Farbe spröde und reißt. Um sie zu schonen, dürfen sie keinen Klimaschwankungen unterliegen. Darum reisen sie in maßgeschneiderten Klimakisten.
„Wie lange eine Restaurierung dauert, ist immer unterschiedlich. Meine Kollegin hat Monets ,Camille‘ restauriert. Dabei habe ich ihr assistiert. Das hat ein halbes Jahr gedauert“, erklärt Tholen. Für „Baumallee bei einem Städtchen“ habe sie 40 Stunden gebraucht. Angst, ein Gemälde zu zerstören, haben die Restauratorinnen nicht. „Die Maßnahmen werden vorsichtig gemacht und müssen reversibel sein.“
Restauratoren arbeiten viel mit Aquarellfarben, auch auf Ölbildern, damit noch zu erkennen ist, was Original und was Restauration ist. Restauratoren sind keine Künstler. Wenn bei einem alten Gemälde große Stücke fehlen, wird nur rekonstruiert, was man genau ableiten kann.
Und wenn bei einem Bild das Gesicht fehlt? „Das würde man nicht rekonstruieren. Man würde sich künstlerisch nicht selbst verwirklichen“, erklärte Menck-Schaa. Das Werkzeug eines Restaurators findet sich eher im Medizinfachhandel denn im Künstlerbedarf. „Wir brauchen Feinwerkzeug: Spachtel, Skalpelle, Pinzetten. Aber auch feine Haarpinsel.“
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