BREMEN - Was haben Rudi Carrell, Willy Millowitsch und Nina Hagen gemeinsam? Ganz einfach: Sie alle verkauften schon Lose der Bürgerpark-Tombola. Wer mit dem Paternoster in die zweite Etage der Baumwollbörse fährt und sich dann rechts hält, landet dort, wo solche Dinge zu erfahren sind: Im Büro der Tombola.
Geschäftsführer Dietmar Hoppe und sein Team sind gerade mit den letzten Vorbereitungen zur 54. Tombola beschäftigt, die am Donnerstag, 7. Februar, beginnt. Wer etwas über die Losverkaufsaktionen mit Prominenten erfahren möchte, braucht lediglich an eine der Bürowände zu schauen: Sorgfältig gerahmte Bilder, viele noch in schwarzweiß, so manche mit Widmungen und Autogrammen.
„Es lebe die Bürgerpark-Tombola“, schrieb Nachrichtensprecher Wilhelm Wieben – um nur ein Beispiel zu nennen. Inge Meysel schrieb auch. Und zwar Briefe. Eine ganze Reihe davon findet sich nicht an der Wand, sondern in einem Archivordner. Womit wir in Zeiten angekommen wären, als man die Tombola noch „Tombrinkola“ nennen durfte – nach ihrem Initiator Hans-Joachim Tombrink.
Er leitete die Lotterie von 1953 bis 1988. Mit seiner energischen Art muss er auch Inge Meysel beeindruckt und gewonnen haben. So schrieb sie ihm unter anderem: „Lieber Herr Tombrink, es ist doch selbstverständlich, daß ich im Jahre 1985 in Bremen wieder mitmache.“
Nicht allein Schriftstücke, auch viele Fotografien bewahren die Tombola-Organisatoren in ihrem Archiv auf. Vieles lässt sich von ihnen ablesen: Wie die Mode sich ändert. Wie das Innenstadt-Straßenpflaster sich ändert. Wie die Tombola sich ändert. Vor gut 50 Jahren zum Beispiel waren die Vitrinen zwischen den Losverkaufsständen noch so groß, dass sie beinahe als Pavillons durchgegangen wären. Seit jeher begehrte Tombola-Gewinne sind Autos. Vor fünf Jahrzehnten standen die nicht etwa auf kleinen, leicht schrägen Rampen – sondern oben auf den Dächern der Vitrinen! Die Aufschrift: „Lloyd – Der Wagen für Dich“.
Zur Tombola-Tradition gehört, dass der Losverkauf unter der Schirmherrschaft des Bürgermeisters steht – im Jahr 1969 etwa war das Hans Koschnick (SPD). Gemeinsam mit Vertretern von Bürgerpark und Wirtschaft schrieb er damals in einem Tombola-Prospekt, die „Pflege und Unterhaltung“ des Parks sei „ein Werk freiwilliger Initiative und Opferbereitschaft bremischer Bürger“. Denn: „Auch heute wird er nicht durch Steuermittel erhalten, sondern durch Spenden.“ Solle „das Werk fortgesetzt“ werden, brauche der Park „weitere finanzielle Hilfen“.
