BREMEN - „Röh, röh“ dröhnt es in der Straßenbahn, die gemächlich einen Rundkurs durch die Innenstadt fährt. Dann ist ein mehrstimmiges „Hau, hau“ zu hören.

Die seltsamen Töne kommen von den Fahrgästen, die in der Straßenbahn einen kleinen Schnupperkurs in Finnisch absolvieren. Inga Jantunen ist eine der Sprachlehrerinnen der Bremer Volkshochschule (VHS), die mit Elan und sichtlichem Spaß neue Wege in der Kundenwerbung gehen, besser: fahren. Es ist keine normale Bahn, die da um den Kern der Hansestadt kreist – eigentlich ist es ein VHS-Beratungsbüro für Lernwillige, die ihre Fremdsprachenkenntnisse erweitern wollen. Wie zum Beispiel das Rentnerpaar, das sich über Englisch-Anfängerkurse informieren will. Bereitwillig und engagiert üben die beiden Senioren dann mit Inga die Tierlaute und nehmen gern das Übungsblatt mit.

Die zusteigenden Fahrgäste und die Sprachlehrerinnen selbst sind freudig überrascht, wie nett die Straßenbahn zu einer Art Kundencafe umgebaut wurde – mit nur ein paar Veränderungen. In die Mitte der Vierer-Sitzgruppen sind schmale, einbeinige Holztische montiert und über die Dreiergruppen gegenüber der Türen Regale, die entweder als Tresen für Heiß- und Kaltgetränke dienen oder als Büfett für Croissants, Kekse und Obst.

Dazu ist noch eine Lautsprecheranlage aufgebaut, aus der abwechselnd italienische, finnische, spanische und russische oder auch deutsche Weisen als Untermalung in die Bahn strömen. Die Gäste sind erfreut, als ihnen nach dem finnischen Tierkanon auch noch Kaffee eingeschenkt wird. Bei solch einem aufputschenden Heißgetränk entwickeln sie Ehrgeiz, die vielen in der Bahn verteilten Zettel einer Sprache zuzuordnen und zu übersetzen.