BREMEN - Bremen ist Durchschnitt. Das klingt nicht sehr schmeichelhaft, mag man meinen. Doch gerade das macht die Hansestadt für Marktforscher und Werbestrategen spannend.

Denn sie stellt in vieler Hinsicht ein kleines Abbild von Deutschland dar – bei Altersstruktur, Haushaltsgröße, Kaufkraft, Arbeitslosenquote und Mediennutzung zum Beispiel. Damit ist Bremen ein optimales Testfeld für neue Produkte und Dienstleistungen, was sich viele große Hersteller von Konsumgütern und Medikamenten zunutze machen. Im Auftrag von Branchenriesen wie Beiersdorf, Dr. Oetker, Novartis und Procter & Gamble testet das Marktforschungsunternehmen Bonsai Deutschland seit 2003, wie neue Produkte bei den Verbrauchern ankommen.

Waschmittel und Dosensuppen, Hustensaft und Versicherungen – die Bremer Bürger werden zum Gradmesser für die bundesweite Akzeptanz. Sie merken allerdings nichts davon. Irgendwann taucht das Testprodukt einfach in den Regalen von Supermärkten, Apotheken oder Drogerien auf, zwischen all den anderen Säften, Shampoos oder Windeln. „Wie es später nach der Markteinführung auch wäre“, erklärt Norbert Hegmann, Geschäftsführer der TNS-Infratest-Tochter Bonsai. Die Geschäfte bekommen dafür eine Aufwandsentschädigung. Nach zwei bis drei Monaten prüfen die Marktforscher dann die Verkaufszahlen und vergleichen diese mit den deutschlandweiten Daten für andere Waren dieser Art, um saisonale Schwankungen auszuschließen.

„In Deutschland ist der Bremer Testmarkt einzigartig“, sagt Christoph Burmann, Professor für innovatives Markenmanagement an der Universität Bremen.

Nach Angaben von Bonsai-Geschäftsführer Hegmann kosten die Tests zwischen 50 000 und 200 000 Euro. So eine Generalprobe kann viel Geld sparen. Denn die Flop-Gefahr liegt gerade bei Waren wie Joghurt, Keksen, Shampoo und Zahnpasta besonders hoch.