BREMEN - BREMEN/AB - Mit einem kurzweiligen und lustigen Vormittag beendete der Verein Freizeit 2000 gestern seine länger als ein Jahrzehnt angebotene Reihe der Sonntags-Matineen im Ratskeller. Mit Heinz Lemmermann hatte der rührige Verein einen ebenso galanten Plauderer wie treffsicheren, erfahrenen Autoren mit zum Teil sehr spitzer Feder für das Abschiedsprogramm gewinnen können. Der Publikumszuspruch – es mussten noch viele zusätzliche Stühle besorgt werden – bewies wieder einmal das gute Augenmaß der Organisatoren der Matinee.

Lemmermann, der in die Jahre gekommene Professor, Autor, Komponist, Chorleiter und Dichter, stellte mit einem Zitat von George Bernhard Shaw klar: Irgendwann kommt das Altern zum Stillstand. Danach setzt lediglich ein gewisser Verwitterungsprozess ein. Lemmermanns Hirn und Mundwerk scheinen jedenfalls noch nicht einmal im Stadium des Alterns angekommen zu sein.

Abwechselnd in Hoch- und Niederdeutsch trug er Alltagsweisheiten, Bissigkeiten und nette Anekdoten aus eigener und fremder Feder vor und erheiterte das Publikum sehr. Zum Beispiel, als er sich in der Rubrik „Männer und Frauen“ bewegte. Da legte er einem alten Hanseaten mit dem Namen Sengstake die klugen Worte in den Mund, er habe gar keine richtige Angst gekannt, bevor er nicht verheiratet war. Oder in dem ans Vaterunser angelehnten Gebet für Touristen. Am Schluss bitten die Männer inständig darum, ihre Gattinnen mögen nicht in den Kaufrausch kommen. Die Ehefrauen flehen zu Gott, ihr Mann möge sie nicht mit jüngeren, gut aussehenden Badenixen vergleichen.

Viele Hintersinnigkeiten zieht Lemmermann aus seiner Lebenserfahrung und seinen persönlichen Geschmacksvorlieben. So erklärte er spöttisch, der Begriff „Gemischter Chor“ beziehe sich darauf, dass die eine Hälfte der Mitglieder singen könne und die andere nicht. Allerdings empfand er diese Chöre noch nicht als Hölle. Denn für den Dichter ist die Hölle da, wo Engländer kochen, Italiener für die Geräuschdämmung zuständig sind und die Deutschen Fernsehunterhaltung machen wollen.

Lemmermanns zahlreich versammelte Gemeinde teilte offensichtlich dessen Sinn für manchmal fast boshaften Humor, lachte viel und spendete reichlich Beifall.