BREMEN - Antibiotika verlieren zunehmend an Wirkung – was lässt sich dagegen tun? Das ist eine der Fragen, die 500 Kinderärzte aus ganz Deutschland seit Donnerstag in Bremen diskutieren. Antibiotika-Resistenzen zählen zu den Schwerpunktthemen der 17. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI), verbunden mit dem Treffen der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR). Die Tagung ist in der Universität.

Husten, Durchfall, Schnupfen: „Infektionskrankheiten sind die häufigsten akuten Erkrankungen im Kindesalter“, sagt Professor Reinhard Berner (Freiburg), Vorsitzender der DGPI. Die höchste Sterblichkeit an Infektionskrankheiten gibt es im ersten Lebensjahr.

Vier Faktoren haben die Kindersterblichkeit in den vergangenen Jahrzehnten deutlich sinken lassen – vernünftige Ernährung, verbesserte Hygiene, Impfungen und der Einsatz von Antibiotika. Zunehmende Antibiotika-Resistenzen bei Kindern sorgen mittlerweile aber für Probleme. Bei Harnwegsinfektionen zum Beispiel hätten die Ärzte in 50 bis 70 Prozent der Fälle mit Antibiotika-Resistenzen zu kämpfen, hieß es am Donnerstag.

Professor Hans-Iko Huppertz, Kongresspräsident und Direktor der Professor-Hess-Kinderklinik in Bremen, sagt: „Antibiotika sind eigentlich phantastische Medikamente.“ Eine eitrige Hirnhautentzündung sei „vor 50, 60 Jahren ein Todesurteil“ gewesen. „Mit Antibiotika überleben heutzutage fast alle Kinder mit bakterieller Hirnhautentzündung“, so Huppertz weiter.

Doch häufig werden Antibiotika auch schon bei weitaus harmloseren Erkrankungen verschrieben – auf Druck besorgter Eltern, aus Unsicherheit der Ärzte. Und hier, so die Auskunft auf dem Bremer Kinderärztekongress, liegt eine Ursache des Problems: „Zu viele Verschreibungen bewirken Resistenzentwicklungen.“ Vor diesem Hintergrund sei es notwendig, Antibiotika nicht mehr einfach „auf Verdacht“ zu geben – etwa bei Viruserkrankungen, wenn auch mit fiebersenkenden Mitteln und dem Anbieten von Flüssigkeit gearbeitet werden könne. Huppertz: „Antibiotika müssen richtig und gezielt eingesetzt werden.“

Im Rahmen des Kongresses, der bis Sonnabend dauert, wird auch das aktuelle Handbuch der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie präsentiert – es gilt als wichtiges Nachschlagewerk für Kinderärzte, war aber seit fünf Jahren nicht mehr neu aufgelegt worden.