BREMEN - Noah ist erst seit wenigen Wochen auf der Welt. Doch der kleine Patient des Klinikums Bremen-Mitte aus der pfälzischen Stadt Speyer hat schon so viel erlebt, dass man einen Krimi über sein Leben drehen könnte. Mit Happy-End: Jetzt wurde Noah gesund entlassen.

Nach seiner Geburt versagte Noahs Lunge. Und ohne die Hilfe einer speziellen Herz-Lungen-Maschine für Neugeborene hätte er wohl nicht lange überlebt. Weil bundesweit nur das Klinikum Bremen-Mitte einen Platz an einer solchen Maschine bieten konnte, musste der Junge mit einer speziellen Intensiv-Transportliege nach Bremen geholt werden.

„Noahs Geschichte hat uns berührt“, sagt Dr. Peter Lasch, Oberarzt in der Klinik für Neonatologie. Mittlerweile kann Noah ohne Hilfe atmen. Das war nicht immer so: In der Kinderklinik in Speyer lag er an einem Beatmungsgerät, aber sein Zustand verschlechterte sich täglich, berichtet Karen Matiszick, Sprecherin der Bremer Klinik-Holding Gesundheit Nord.

Nur eine ECMO-Therapie konnte Noah helfen. Diese Abkürzung steht für „Extracorporale Membran-Oxygenierung“. Dabei wird der Säugling an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, die das Blut von Kohlendioxid befreit und mit Sauerstoff anreichert. Die ECMO-Therapie dauert so lange, bis sich die Lungenfunktion des Kindes erholt hat. Deutschlandweit gibt es nur zwei Zentren, die solche Therapieplätze anbieten: Die Klinik für Neonatologie am Klinikum Bremen-Mitte und das Klinikum in Mannheim. „Nachdem sich die Kinderklinik in Speyer gemeldet hatte, war für uns sofort klar, dass wir Noah holen“, sagt Lasch. Zunächst allerdings schien das Wetter den Medizinern einen Strich durch die Rechnung zu machen: Da für die Nacht ein Schneesturm angesagt war, war ein Transport mit dem Flugzeug oder dem Hubschrauber nicht möglich. Also setzte sich Lasch gemeinsam mit einer Schwester und einem Pfleger in den Rettungswagen.

Noahs Zustand hatte sich derweil wegen eines Einrisses der linken Lunge weiter verschlechtert. Dennoch ging alles gut, als der kleine Patient auf die Intensivliege umgelagert und an die Bremer Geräte angeschlossen wurde. Doch dann kam der Schneesturm – und das Bremer Team konnte seine Fahrt nur langsam fortsetzen. Zu langsam, die Sauerstoffreserven gingen zur Neige. So steuerte der Rettungswagen nachts die Kinderklinik in Lüdenscheid an, um neue Sauerstoffflaschen aufzunehmen. „Es war der reinste Albtraum“, erinnert sich Lasch. „Der Schnee war mittlerweile so heftig, dass wir auf dem Weg von der Autobahn zur Kinderklinik in einer Schneewehe stecken blieben.“ Die Lüdenscheider Feuerwehr schaufelte sie frei. Nach 13 Stunden Fahrt war das Team in Bremen.

Der Rest ist eine Erfolgsgeschichte: Nach acht Tagen hatte sich Noahs kleine Lunge bereits so gut erholt, dass er vom künstlichen Kreislauf entfernt werden konnte. Heute kann er ganz ohne Atemhilfe atmen und ist bereits nach Speyer zurückverlegt worden. Mit dem Flugzeug – rechtzeitig vor der Aschewolke aus Island bei bestem Wetter.