BREMEN - „Masernparty“ hieß die Folge der ZDF-Krimiserie „SOKO Leipzig“, in der dieser Tage vor einem Millionenpublikum ein Thema ausgebreitet wurde, das etliche Eltern beschäftigt. Impfen oder nicht – das ist in vielen Familien die Frage. Furcht vor Nebenwirkungen und Allergien, emotionale Aspekte und Glaubensfragen, diffuse Ängste und fehlendes Vertrauen in die Pharmaindustrie – ganz unterschiedliche Gründe sind es, die Eltern zu der Entscheidung kommen lassen, ihr Baby oder Kleinkind nicht impfen zu lassen.
Mit Vehemenz für das Impfen wirbt Professor Hans-Iko Huppertz, Direktor der Professor-Hess-Kinderklinik in Bremen. Er nimmt dabei auch die Kinderärzte in die Pflicht: „Werden die Eltern korrekt aufgeklärt, stimmen sie der Impfung zu“, so Huppertz.
Nun gibt es aber auch Ärzte, die Impf-Gegner sind. Eine Haltung, die Huppertz aus wissenschaftlicher Sicht nicht akzeptiert. Um das zu illustrieren, greift er das Beispiel Masern aus dem Fernsehkrimi auf. Es handelt sich keinesfalls um eine harmlose Kinderkrankheit, wie mancher noch immer glaubt. Ein Promille der an Masern erkrankten Kinder bekommt eine Hirnhautentzündung, die zum Tod oder zu schweren Schäden führen kann. Eine andere mögliche Masern-Folge ist die tödlich verlaufende Krankheit SSPE, die mit einem Abbau der geistigen Fähigkeiten beginnt.
Huppertz: „Die Masern sind in ganz Amerika ausgerottet. In Europa gibt es sie noch. Wenn sie in den USA auftreten, dann wurden sie aus Europa – häufig aus Deutschland – eingeschleppt. Es wurde dort schon überlegt, das Visumsrecht zu verschärfen.“
Es ist Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Masern in Europa bis zum Jahr 2010 auszurotten. Huppertz: „Das werden wir nicht erreichen – unter anderem wegen Deutschland.“
Dabei sei die Krankheit mit Impfungen besonders gut zu bekämpfen, weil das Virus sich nur beim Menschen ausbreitet. Doch in Deutschland kommt es wieder und wieder zu Masernepidemien.
Eine Impfung belastet das Kind sehr, sagen Impf-Kritiker. Und: Die Ständige Impfkommission (STIKO) mit Sitz am Robert-Koch-Institut empfehle zu viele Impfungen. Huppertz hält dem entgegen, dass die Impfstoffe „raffinierter gemacht“ seien als früher und viel gezielter wirkten sowie das Immunsystem nicht mehr so strapazierten.
