BREMEN - Der gebürtige Münchner entdeckt viele Gemeinsamkeiten mit seiner Rolle. Nur Noten lesen kann er nicht.

Von Jörg Esser

BREMEN - „Das ist Knochenarbeit“, sagt Günther Kaufmann. Arbeit aber, die ihm „große Freude“ macht. Der 58-jährige Münchner spielt Bruder Tuck im Musical „Robin Hood“ im Theater am Richtweg. An sechs Tagen pro Woche, sonnabends und sonntags sogar zwei Mal.

„Sonntags nach der zweiten Vorstellung bin ich richtig geschafft“, sagt Kaufmann. „Aber wenn der spielfreie Montag vorbei ist, freut man sich schon auf die Dienstagsvorstellung.“ Ein Grund: Das Ensemble „ist ein sehr gutes Team“. Die Chemie stimmt.

Kaufmann ist immer noch bei kräftiger Stimme. „Die hält“, sagt er. Gesang und Kaufmann, da ist etwas zusammen gewachsen, was nicht unbedingt zusammen gehörte. „Ich singe nur in der Badewanne“, sagt der „Weiße Neger vom Hasenbergl“ (so der Titel seiner Biografie). In einem seiner neun Filme unter der Regie von Rainer Werner Fassbinder habe er mal das Titellied gesungen. Noten kann er nicht lesen. Das habe Robin-Hood-Regisseur Martin Doepke zunächst irritiert. Doch dann hat der Schauspieler den Regisseur vorsingen lassen und nachgesungen. Das hat Doepke überzeugt.

Kaufmann gefällt seine Rolle als erdverbundener und schwergewichtiger Kirchenmann, der gerne einen guten Schluck genießt und immer für Liebe und Gerechtigkeit kämpft. „Das passt wie die Faust aufs Auge.“ Wenn er sich eine andere Rolle im Stück aussuchen sollte, würde er den Sheriff von Nottingham nehmen – schon wegen des schwarzen Outfits. „Nur, dass ich böse bin, das glaubt ja keiner“, sagt er.

Kaufmann wurde im Januar 2005 endgültig vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen. Bis Herbst 2003 saß er fast drei Jahre unschuldig hinter Gittern, weil er mit einem falschen Geständnis seine krebskranke Frau schützen wollte.

Nun hat er an der Weser eine neue Heimat gefunden. Von Januar bis April 2004 stand er in der Friedenskirche auf der Bühne als „Fremder“ im Stück „Die Zehn Gebote“ von Johann Kresnik. „Bremen zieht mich seither wie ein Magnet an“, sagt Kaufmann.

Er ist inzwischen mit einer Bremerin verlobt. Heiratspläne gebe es noch keine. Wenn aber, dann soll in Brmen geheiratet werden. „Hier ist alles ruhig und beschaulich“, fährt er fort, „hier kommt man auch ohne Auto und Führerschein überall hin.“ Das passt ihm gut.

Im März zieht es Kaufmann allerdings wieder in seine Heimatstadt an der Isar. Mit dem kompletten Robin-Hood-Ensemble. Das Musical wird dort vom 4. März bis 2. April im Deutschen Theater aufgeführt. Im April und im Mai steht der Schauspieler dann wieder vor der Kamera, bei Dreharbeiten für einen Science-Fiction-Film in Wien. Und für den Sommer ist eine Kino-Komödie im Gespräch. „Film und Fernsehen sind und bleiben mein Metier“, sagt Kaufmann, „aber der Ausflug auf die Musical-Bühne hat sich gelohnt.“