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NWZonline.de Region Bremen

Nachfrage In Bremen Steigt Leicht: Bestattung im Garten: Pietätlos oder Freiheitsrecht?

10.03.2020

Bremen Die Asche eines Verstorbenen im Privatgarten zu verstreuen entspricht ganz sicher nicht den Vorstellungen der Kirche von einer Bestattung. In Bremen ist das seit fünf Jahren möglich und gesetzlich erlaubt. Die Nachfrage nach dieser besonderen Form der Beisetzung ist zahlenmäßig auf niedrigem Niveau gestiegen. Die Kritik hat sich aber gehalten.

Im Februar 2015 wurde erstmals Totenasche in einem privaten Garten in Bremen ausgestreut. Möglich wurde das durch die Lockerung des Friedhofszwanges beziehungsweise die Änderung des Gesetzes über das Friedhofs- und Bestattungswesen. „In den ersten beiden Jahren wurden je etwa 30 Genehmigungen ausgesprochen, jetzt sind es jährlich so um die 50“, resümiert Jens Tittmann, Sprecher der zuständigen Bremer Umweltsenatorin. Bremen sei weiter das einzige Bundesland, in dem das Ausstreuen von Totenasche außerhalb von Friedhöfen auf diese Art möglich sei.

Ende 2019 geschah dies erstmals auf einer öffentlichen Fläche am Wesernebenfluss Lesum. Auch das ist in Bremen möglich. Dabei muss man wissen, dass diese Form der Bestattung lediglich rund ein Prozent der jährlich 4000 bis 4500 Beisetzungen in der Hansestadt ausmacht. „Die Gesetzesänderung ist für die Zukunft gemacht, für die nächsten Generationen“, so Tittmann. In der Landtagsdebatte sei man damals nie davon ausgegangen, dass dies zur Hauptbestattungsart werde. Gerechnet werde mit maximal 5 Prozent.

Die jetzt betroffenen Generationen hätten noch eine relativ hohe Friedhofsbindung und einen Bezug zu christlichen Kirchen. Das könnte sich in Zukunft ändern, wenn sich die Austrittszahlen der beiden großen Kirchen weiter so negativ entwickeln. Treibende Kraft für die Lockerung des Friedhofszwangs war die damalige Grünen-Fraktionschefin Maike Schaefer, die heute Umweltsenatorin in einer rot-grün-roten Landesregierung ist.

Auch wenn Bestattungsinstitute durch die neue Form der Beisetzung ihr Geschäftsfeld erweitern können, bleibt der Bestatterverband bei seiner Ablehnung. „Wir sind weiterhin dagegen“, sagte der Vorsitzende Christian Stubbe der Deutschen Presse-Agentur. „Trauer braucht einen Raum und einen Ort. Beides ist nicht gegeben, wenn der Ort unter Verschluss liegt und so ein öffentlicher Zugang für Freunde und Verwandte des Verstorbenen nicht möglich ist.“ Dies war auch Ende 2014 ein zentraler Kritikpunkt in der Debatte um die Gesetzesänderung.

Auch die Katholische Kirche sieht die Praxis nach wie vor kritisch, da sie dadurch einen würdevollen Umgang mit den sterblichen Überresten der Verstorbenen für gefährdet hält. „Unser Umgang mit den Verstorbenen ist auch ein Ausdruck dafür, wie wir mit den Lebenden umgehen, besonders den Schwachen, Armen und Einsamen“, sagte der Bremer Propst Bernhard Stecker. „Geschieht es respekt- und würdevoll, oder achtlos und nachlässig? Für uns Christen ist jeder Mensch ein Ebenbild Gottes, und das bestimmt auch unseren Umgang mit den Verstorbenen.“

Wer sich in Bremen in einem privaten Garten oder auf einer öffentlichen Fläche bestatten lassen will, muss dies schriftlich in einer Bestattungsverfügung festlegen. Zudem muss der letzte Wohnort vor dem Tod Bremen gewesen sein. Zuständig für die Genehmigung ist die Behörde der Umweltsenatorin. Nach der Einäscherung wird den Angehörigen die Urne überreicht, dann muss die Asche des Verstorbenen innerhalb von 14 Tagen ausgebracht werden.

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