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Aktualisiert vor 8 Minuten.

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NWZonline.de Region Bremen

Blinde ertasten Paula Modersohn-Becker

19.11.2019

Bremen Kunst will eigentlich betrachtet werden - aber wie fühlt sie sich an? Wie fühlt sich das „Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag“ von Paula Modersohn-Becker an? 1906 malte sich die Pionierin der Moderne nackt, zu dieser Zeit eine Revolution. Jetzt hat das Team des Paula-Modersohn-Becker-Museums in Bremen ein 3D-Relief für Blindenführungen von diesem Gemälde herstellen lassen - mit Hilfe des Computers, Fräsen und viel Handarbeit.

„Es ist der erste weibliche Selbst-Akt in der Kunstgeschichte. Deshalb wollen wir dieses sehr persönliche Bild für alle Besucher erfahrbar machen“, sagt Museumsdirektor Frank Schmidt bei der Vorstellung des 3D-Modells. Ein paar Schritte weiter lässt Joachim Steinbrück, selber blind, seine Finger über das geölte Eichenholzrelief gleiten: „Das ist ja selbst ein Kunstwerk. Es fühlt sich sehr schön an. Ich bekomme einen realistischen Eindruck von der Halskette, der Handhaltung und dem gerundeten Bauch der Künstlerin“, sagt der Landesbehindertenbeauftragte.

So etwas geschieht nicht nur in Bremen: Das Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim gilt seit 2014 als Vorreiter sogenannter inklusiver Kulturvermittlung. Durch eine Dunkelschleuse geht es in die Dauerausstellung „Museum der Sinne“. Besucher können dort altägyptische Grabreliefs ertasten, dem Duft von Jasmin folgen und Salz kosten. Audioguide, Bodenleitlinien und Texte in Brailleschrift erleichtern die Orientierung. „Es ist ein Museumserlebnis für alle, darauf sind wir stolz“, sagt Museumspädagogin Julia Kruse. Auslöser der Entwicklung sei ein blinder Kollege im Team gewesen.

Im 2015 eröffneten Museum Lüneburg können seheingeschränkte Besucher das Holzmodell eines Kirchturms der Altstadt fühlen und mit Objekten wie einer Siedepfanne etwas über Salzgewinnung erfahren. „Wir versuchen die Naturkunde und Kulturgeschichte der Hansestadt und der Region Lüneburg in allen Facetten erlebbar zu machen“, sagt Museumsleiterin Heike Düselder.

Viel mehr Angebote dieser Art fordert Museumsberaterin Susanne Berghöfer, die selbst stark sehbehindert ist: „Vor zwei, drei Jahren boomte das Thema Inklusion. Seitdem ist enttäuschend wenig passiert“, kritisiert sie. Das sei umso bedauerlicher, als ein anderer Zugang zu Kunstobjekten neue Sichtweisen eröffnen könne. Stattdessen seien die Texttafeln in vielen Museen nach wie klein und kaum lesbar. Aber es geht auch anders.

„Blind Date“ - so heißt ein spezielles Angebot im Kunstmuseum Wolfsburg. Anliegen sei, über Gespräche und detaillierte Beschreibungen Bilder im Kopf entstehen zu lassen, sagt Museumssprecherin Katharina Derlin. Das Gemeinschaftserlebnis stehe im Vordergrund: „Auch Sehende – wir nennen sie „blinde Passagiere“ - sind bei unseren Terminen willkommen.“

Das Team des Wilhelm Wagenfeld Hauses in Bremen geht mit Designobjekten zu Menschen, die nicht gut sehen können, etwa in Altenheimen. Originale wie das Kubus-Geschirr, ein Salatsieb und die Butterdose des Bauhaus-Schülers Wilhelm Wagenfeld (1900-1990) dürfen dann mit konzentriertem Fühlen erfasst zu werden. „Durch diese andere Art der Wahrnehmung sind Original und Fälschung oftmals deutlicher zu unterscheiden als sonst“, sagt Museumsdirektorin Julia Bulk. Das 2017 eingeführte Format „Mit den Händen sehen“ entspreche Wagenfelds Art, seine Designobjekte in die Hand zu nehmen und zu prüfen.

Im Großen Garten in Hannover-Herrenhausen wiederum soll ein Bronzerelief eine Vorstellung vom Barockgarten, seinen Alleen und Wasserspielen geben. Dazu gibt es: einen multimedialen Führer zu der über 350 Jahre alten Gartenlandschaft - in Punktschrift und Großschrift.

Fest steht: Museen wählen zunehmend solche Wege der inklusiven Kulturvermittlung. „Sonst könnte ich zuhause bleiben und die Welt passiert ohne mich“, sagt Gerd Schwesig vom Blinden- und Sehbehindertenverein Niedersachsen.

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