Bremen - Extrem-Botaniker – die Bezeichnung ist äußerst ungewöhnlich, passt aber genau zu Jürgen Feder. Der Bremer nennt sich selbst „Pflanzen-Enthusiast“. Seinen Blick lenkt er aufs Detail, auf Unkraut zwischen Pflastersteinen oder in Mauerritzen – und er begeistert damit bundesweit auf „Botanik-Safaris“.

Er brennt. Treffender lässt sich Jürgen Feder in Aktion kaum beschreiben. Wenn der 56-Jährige auf seinen Exkursionen durch die Landschaft fegt oder im Interview von Pflanzen und ihren Eigenheiten erzählt, stellt sich beim Zuhörer in den ersten Minuten noch leichte Irritation ein: Was ist das für einer? Doch Feders Blick fürs Detail, für Pflanzen zwischen Pflastersteinen und in Mauerritzen, ist schnell ansteckend. Und man merkt: Da weiß einer sehr genau, wovon er spricht. Ob Arnika, stinkender Gänsefuß („riecht nach geöffneter Heringsdose“) oder Hirtentäschel: Sie sind ihm vertraut, eben wie „Familienangehörige“, sagt Feder.

Feder ist Gärtner und Landespfleger, im Auftrag von Bundesländern und Kommunen hat er Landstriche botanisch kartiert. Während seines Studiums in den 80er Jahren legte er den Grundstein für sein privates Herbarium, das er bis heute pflegt mit immer neuen getrockneten Pflanzen. Seine Karriere als „Extrem-Botaniker“ begann vor einigen Jahren mit einem Besuch in der TV-Show von Stefan Raab. Dass einer diesen Moderator kaum zu Wort kommen ließ und es so viel zu ein paar Wildpflanzen zu erzählen gibt, sorgte für Erstaunen.

Auf seinen Touren widmet er sich mit den Teilnehmern dem Wegesrand – und dem, was dort wächst. Seinen Zuhörern will er mit auf den Weg geben, keine Angst zu haben, Wege zu verlassen und etwas anzufassen. In die Natur zu gehen. Zu riechen und zu schmecken. „Man muss nur die Gefahren einschätzen können.“ Alltägliche und seltene Arten will er zeigen. „Die Leute müssen auch mal mit der Hand über einen Sonnentau streichen können.“

Einen Naturschutz, der Gebiete abschottet, hält er für falsch. Er will der Naturentfremdung den Kampf ansagen. „Wenn ich dazu Geschichten erzählen und Erstaunen hervorrufen kann, dann bin ich in meinem Element“, sagt der 56-Jährige. Vor Kurzem ist sein drittes Buch „Feders kleine Kräuterkunde – das Essen liegt auf der Straße“ erschienen.