BREMEN - Das Skelett eines Zwergwals hängt wieder im Foyer des Übersee-Museums. Vor sieben Jahren musste das Säugetier Umbauarbeiten weichen.

Von Ralf Sussek

BREMEN - Schon viele Bremer haben nach ihm gefragt, wenn sie das Übersee-Museum betraten, seit gestern sind die Fragen überflüssig, denn nun hängt der Lesumer Wal – oder besser sein Skelett – an seinem angestammten Platz im Foyer. Von dort hatte er im Jahr 1999 wegen der Umbauarbeiten weichen müssen.

Das größte Exponat (8,15 Meter lang, rund 200 Kilogramm schwer) des Übersee-Museums – wie kam es nach Bremen? Am 8. Mai 1669 hat im „Lesumer Strom ein großer Fisch den Schwanz hinausgestrecket; ein Bauernknecht hat darauf mit Hagel Feuer gegeben, darüber der Fisch sich heftig gereget und bei abfallendem Wasser auf ein Sand hinter Hemelings Eeben Vorwerk im Lesumer Bruch geraten, davon er zwar gesucht sich abzuwälzen, ist aber von einem Bauer aus einem Feuerrohr mit vier Kugeln durchschossen, darauf er nach dem Berichte der Landsleute, so hoch als die in der Nähe am Ufer St. Magni stehenden Bäume das Wasser in die Luft gespritzet, darauf er gestorben.

Wie dieser Fisch nach Vegesack auf das Herrn Hochgräfen Arend Havemann Befehl gebracht worden, ist er daselbst von vielen Personen besichtigt und hat man befunden, daß er in der Länge 29 Werkschuh, im Umkreis oder Dicke am Leibe zwölf Fuß, die Breite des Schwanzes aber neun Fuß gewesen ist. Am 9. Mai ist derselbe nach Bremen geführt und in Prahmen von verschiedenen beschaut. Am 10. Mai ist er an Land geschleppt und auf der Schweineweide zerschnitten und daselbst zu Tran verbrannt. Es war derselbe eine Art der Walfische und zwar weiblichen Geschlechts.“

So war es zu lesen in „Post’s Bremischer Chronik“. Die Geschichte nach der Geschichte: Um die Besitzrechte am „Lesumwal“ gab es noch politisches Gerangel. Denn die eine Lesumseite, auf der der Wal angeschossen worden war, war schwedisch, die Seite, auf der er verendete, bremisch. „Die Schweden haben ein Riesentheater gemacht“, sagt Andreas Vollprecht, Werkstattleiter Präparation. Sie wollten das Skelett haben. Doch die Bremer stellten sich quer, schließlich war der Wal auf der stadtbremischen Seite „a nostres gäntzlich erschossen“ worden.

Der Bremer Senat ließ den Wal von Rembrandt-Schüler Franz Wulfenhagen in einem Ölgemälde verewigen – zehn Meter lang, vier Meter hoch. Fast 300 Jahre hing es – mit dem Skelett – in der Oberen Rathaushalle, heute hängt es im Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven. Das Zwergwalskelett ist laut Vollprecht das „älteste bekannte, montierte Walskelett“ – und hat schon allein dafür die Rückkehr aus dem Magazin in den Eingangsbereich des Museums verdient.