BREMEN - Erstmals in ihrer mehr als 150-jährigen Geschichte wird die Deutsche Seemannsmission von einer weiblichen Doppelspitze geleitet. Auf der Mitgliederversammlung ist die ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Margrit Wetzel (61) aus Horneburg im Landkreis Stade zur Präsidentin gewählt worden, sagte Generalsekretärin Heike Proske am Wochenende in Bremen. Proske führt seit Juni 2009 das operative Geschäft der Deutschen Seemannsmission, zu der ein Netz von 17 Auslandsstationen gehört. Wetzel bekam 26 von 42 Stimmen. Sie war bisher Vizepräsidentin und folgt nun auf den Hamburger Gerhard Mehrtens, der nicht mehr kandidierte.

Die Deutsche Seemannsmission hat ihren Sitz in Bremen. Die Zentrale liegt am Jippen im Faulenquartier – also fast direkt an der Weser. Am Jippen ist auch das Bremer Seemannsheim zu finden. Insgesamt begleiten mehr als 700 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter der Deutschen Seemannsmission Menschen an Bord und in den Häfen mit sozialen Hilfen und Seelsorge.

Besonderen Fokus legt das evangelische Hilfswerk seit einiger Zeit auf die psychosoziale Unterstützung von Piratenopfern. Die Arbeit der Seemannsmission wird aus Kirchensteuermitteln, Spenden, freiwilligen Abgaben der Reeder und aus Gewerkschaftsgeldern finanziert.

Neu hinzu kämen nun Gespräche mit Seeleuten, die aufgrund der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima um ihre Gesundheit und ihren Arbeitsplatz fürchteten, sagte Wetzel am Wochenende. „Die Medien sind voll davon, wie sich Häfen vor radioaktiv verstrahlten Schiffen schützen – über die Seeleute spricht keiner“, kritisierte sie. Crewmitglieder und ihre Angehörigen hätten Angst, weil sie sich nicht schützen könnten. „Wir gehen an Bord und sprechen mit den Leuten“, sagte die Diplom-Volkswirtin Margrit Wetzel, die bis zum Jahr 2009 für den Wahlkreis Stade-Cuxhaven im Bundestag saß.