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NWZonline.de Region Bremen

Ausbaustopp schadet Heimatmarkt

16.05.2019

Bremen Es ist auf den ersten Blick eine Erfolgsgeschichte: Die Offshore-Branche hat sich rasant entwickelt. 2009 ging mit „Alpha ventus“ der erste Windpark ans Netz – zwölf Windräder, 60 Megawatt Leistung. Ende 2018 drehten sich 1305 Windräder mit einer Gesamtleistung von 6382 Megawatt in Deutschland offshore, 5306 Megawatt in der Nordsee und 1076 Megawatt in der Ostsee. Noch wird weiter zugebaut. Der gesetzlich mögliche Zubau bis 2020 von 7,7 Gigawatt wird erreicht, sagt Andreas Wellbrock, Geschäftsführer des Branchenverbands WAB.

Doch dann läuft erstmal gar nichts mehr in der deutschen Nord- und Ostsee. Der Bund hat einen Ausbaustopp verordnet. Die Ausbauziele bis 2030 seien von 25 auf 15  Gigawatt gekürzt worden. Das führe zum Fadenriss in der Offshore-Branche. „Der Heimatmarkt ist zusammengebrochen“, sagt Wellbrock im Vorfeld des Branchentreffs „Windforce“, dass am 21. und 22. Mai in Bremerhaven stattfindet.

Der Branche gingen Lieferanten und Know-how verloren, weil Perspektiven fehlten. „Das ist ein großes Problem. Wir brauchen mehr Erzeugungskapazitäten.“ Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne) sagt, die Bundesregierung sei dabei, das Thema Offshore „klimapolitisch, energiepolitisch und industriepolitisch zu verstolpern“.

Deutschland werde in der Offshore-Industrie vom Vorreiter und Leuchtturm zum Bedenkenträger und Verhinderer. Der Bund lasse die Branche, die seit 2013 einen Betrag von rund 15  Milliarden Euro in den Ausbau gepumpt habe, regelrecht verhungern, sagt Wellbrock. Lohse ergänzt: „Das ist alles nicht nachvollziehbar.“ Und es kostet Arbeitsplätze. Bis 2016 ist die Zahl der Offshore-Arbeitsplätze in Bremerhaven auf 5000 gestiegen. Seither ist „viel den Bach runtergegangen“. Diverse Unternehmen mussten Insolvenz anmelden, haben Produktionsstätten geschlossen. Derzeit zählt die Branche in der Seestadt nur noch 1000 Arbeitsplätze.

Weltweit hingegen werden neue Märkte erschlossen. Briten und Dänen sind weit vorne. Und die Niederländer haben ihr Ausbauziel bis 2030 jüngst auf 17,5 Hektar heraufgesetzt. Laut Wellbrock produziert das Nachbarland bislang etwa halb so viel Offshore-Strom wie Deutschland. Auch andere Länder setzen sich ehrgeizige Ziele. Mittlerweile sind auch die ersten US-Bundesstaaten aufs Offshore-Schiff aufgesprungen. New Jersey plant bis 2035 mit neun Megawatt Offshore-Leistung auf hoher See. Taiwan kommt ins Spiel. Und Indonesien.

Zurück nach Deutschland: Die Offshore-Branche fordert eine schnelle Erhöhung der Ausbauziele – auf mindestens 20 Gigawatt bis 2030 und 35 Megawatt bis 2035. Und sie pocht auf den im Koalitionsvertrag vorgesehenen Sonderbeitrag für die Offshore-Windindustrie, „der irgendwo im Wirtschaftsministerium festhängt“.

Wellbrock verweist auf mindestens 1,5 Gigawatt freier Konverterkapazitäten. Die Kapazitäten, den Strom an Land zu bringen, sind da. „Wir nutzen sie nicht, wir könnten aber dafür Windräder bauen.“ Die Produktion der Fundamente bis hin zu den Errichterschiffen läuft mittlerweile wie das „Brezel backen“. Wenn für neue Projekte aber keine „Spielräume freigegeben werden“, vertreibe man die Produktion aus dem Land. „Der Tross wandert ab“, sagt Wellbrock.

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