BREMEN - Ursache des Unfalls auf der Osterwiese soll eine mangelhafte Schweißnaht gewesen sein, sagte Bau-Staatsrat Wolfgang Golasowski am Dienstag. Am Ostersonntag hatte sich im Fahrgeschäft „Commander“ eine Gondel teilweise gelöst. Offenbar war die Verbindung schon seit geraumer Zeit „nicht kraftschlüssig“. Rostspuren seien ein Zeichen dafür, „dass dieser Riss schon länger da war“, sagte Golasowski. Nun geraten die Karussell-Prüfungen in die Diskussion.
„Wir können nur erahnen, was passiert wäre, wenn die Gondel sich ganz selbstständig gemacht hätte“, sagte Reinhard Viering, Abteilungsleiter der Bauaufsicht. Er hat die Geschichte des 1992 gebauten „Commanders“ dokumentiert. Nachdem sich Verschleißerscheinungen gezeigt hatten, wurde das Fahrgeschäft demnach in zwei Etappen umgebaut. Acht der 20 Gondel-Lager wurden verstärkt und neu verschweißt.
Auf Risse überprüft
Im Mai 2010 brach dann auf einer Kirmes in Lüdenscheid ein noch nicht erneuertes Lager, eine Gondel riss ab. Neun Menschen wurden damals verletzt. Danach wurden auch die restlichen zwölf Lager und Lagerköpfe erneuert. „Die ausführende Firma hat uns 2010 schriftlich erklärt, dass Schweißnähte auf Risse überprüft wurden.“ Der TÜV Nord habe „in mehreren Schritten“ Unterlagen vorgelegt und „bescheinigt, dass die Umrüstung geprüft wurde und sich dabei keine Mängel ergeben haben“, so Viering.
Wenig später war der TÜV Rheinland mit einer turnusmäßigen Sonderprüfung dran. Ergebnis: keine Mängel, nächster Sonderprüftermin: 2017. Zudem gibt es jährliche Verlängerungsprüfungen. Geprüft wird, wenn das Karussell aufgebaut ist. Der TÜV prüfte den „Commander“ auf der Osterwiese – am Tag vor dem Unfall, bei dem ein 14-jähriges Mädchen und ein 33-jähriger Mann verletzt wurden.
Naht verdeckt
Dass eine Schweißnaht nicht intakt war und die Stahlteile deshalb nicht richtig miteinander verbunden waren, sahen die Prüfer nicht. Das konnten sie auch nicht, die Naht war verdeckt. „Niemand kann mit bloßem Auge unter eine Schweißnaht blicken“, sagte Viering. Die Sichtprüfung am aufgebauten Fahrgeschäft ist einfach nicht geeignet, mangelhafte Schweißnähte festzustellen.
„Es gibt mehrere Verfahren, Kraftschlüssigkeit zu testen“, zählte Golasowski auf. Die Herstellerfirma habe eines angewandt, bei dem Farbe auf die Naht gestrichen wird. Es gibt aber auch Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen. Nirgendwo gebe es so viele Prüfungen wie in Deutschland, sagte Rudi Robrahn vom Schaustellerbund. „Wir haben den sichersten Standard weltweit.“ Nun mag es zwar viele Prüfungen geben, aber sind es auch die richtigen?
Diese Frage beschäftigt nun offenbar Politik und Verwaltung. Golasowski erklärte: „Wir werden mit dem TÜV über Prüfmethoden reden müssen – und uns überlegen, ob wir Prüfverfahren vorgeben.“ Die erste Gelegenheit dazu kommt schon bald: Ende April tagt in Bremen der Arbeitskreis „Fliegende Bauten“, in dem die Bundesländer, die Schausteller und der TÜV vertreten sind.
