BREMEN - BREMEN/AB - „Omas Liebling“ steht auf einigen der Lebkuchenherzen, die Schausteller der Osterwiese gestern an ihre Gäste, rund 650 Behinderte, verteilen. Die Herzen dienen als Dauerkarten, denn die Einladung umfasst Karussellfahrten und lukullische Leckereien ohne Grenzen.
Seit Jahrzehnten laden die Schausteller zur Freimarkts- und zur Osterwiesenzeit Behinderte zu einem Bummel ein. Es ist eine echte logistische Leistung, die Ankommenden mit Herzen zu versorgen, in Gruppen einzuteilen und ihnen einen Schausteller als Führer zuzuweisen. Für manche Gäste ist schon das Herz die erste große Aufregung. Besonders die, die „Omas Liebling“ bekommen haben, mussten mitunter die Witzeleien aus ihrer Gruppe aushalten.
Die Eingeladenen gingen in Gruppen über die Festwiese und kamen kaum voran, denn wie es so ist bei größeren Menschenmengen: Die Geschmäcker sind verschieden. Während viele gleich am Treffpunkt die erste Attraktion, nämlich die mittlerweile zum Kultgefährt gewordene „Krake“ nutzten, wollten andere erst einmal eine Wurst essen. Die Schausteller öffneten gestern ihre Buden und Fahrgeschäfte exklusiv für ihre behinderten Gäste vor dem regulären Marktbeginn, um zum Beispiel bei der „Krake“ oder beim „Commander“ einen etwas ruhigeren Gang einlegen zu können. So ließ sich ein Teil der Gruppe der blinden und sehbehinderten Kinder in die Gondeln der „Krake“ helfen, um sich anschließend mit Wonne den Wind um die Nase wehen zu lassen.
Aber nicht bei allen kam das gemütlichere Tempo gut an: Ein Arbeiter der Hemelinger Recyclingabteilung der Werkstatt Bremen zeigte sich absolut resistent gegen Übelkeitsanfälle. Trotz reichlichen Genusses von Fischbrötchen, Bratwurst und Softdrinks ließ er sich um fast unzählig viele Achsen drehen, wenden und wirbeln und befand beim Verlassen des bunt-blinkenden Fahrgeschäfts, dass ihm die Normalgeschwindigkeit besser gefallen hätte.
