BREMEN - Die 56-Jährige zieht sich ins Private zurück. Zum Abschied mahnt sie solide Bildungspolitik an.
Von Dieter Sell
BREMEN - Anfangs gehörte sie zu den jüngsten Kindergarten-Leiterinnen in Deutschland. Heute hören Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) und DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche auf ihren Rat. Ihr kämpferischer Einsatz für die Kleinsten macht Bremens Vorschulexpertin Ilse Wehrmann zu einer bundesweit und international gefragten Frau. Nun geht sie mit 56 Jahren aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand.Fast 40 Jahre hat Ilse Wehrmann in der Vorschulpädagogik der Bremischen Evangelischen Kirche engagiert mit Rückgrat und Pioniergeist gearbeitet. Früh handelte sich die 22-jährige Kita-Leiterin eine Abmahnung ein, weil sie eine Bohrmaschine für den Kindergarten anschaffte, um Handwerkerkosten zu sparen.
Auch später erfuhr die Erzieherin und mittlerweile promovierte Sozialpädagogin nicht nur Rückendeckung: „Dieses Land ist von Kinderfreundlichkeit weit entfernt, es ist mittlerweile kinderentwöhnt“, bilanziert die Lobbyistin für die Kleinsten.
Über Jahrzehnte stand Ilse Wehrmann an der Spitze des Bremer Landesverbandes Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder. In dieser Position hat sie eine in Deutschland bis dahin unbekannte wohnortnahe gemeinsame Erziehung für behinderte und nichtbehinderte Kinder aufgebaut.
„Die Situation der Kinder hier hat sich stetig verschlechtert – darüber bin ich krank geworden“, bilanziert die Sachverständige für Frühpädagogik: „Wirtschaftswachstum ist nur mit Bildungswachstum möglich.“
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