BREMEN - Pflegefamilien springen ein, wenn die leibliche nicht funktioniert: PIB, ein Verein, engagiert sich.

Von Thomas Kuzaj

BREMEN - „Kinder haben das Recht auf eine Familie“, sagt Monika Krumbholz. Mit Kindern und Familien hat sie tagtäglich zu tun – oder genauer: mit der Vermittlung von Kindern und Jugendlichen in Pflegefamilien. Vor genau vier Jahren legte Bremen diese Vermittlungsarbeit, für die bis dahin das Sozialamt zuständig war, in die Hände einer Gesellschaft. Ihr Name: Pflegekinder in Bremen GmbH, kurz PIB. Getragen wird sie von der Stiftung St. Petri Waisenhaus, der Stiftung Alten Eichen und dem Verein Bremer Säuglingsheime.

Monika Krumbholz leitet die PIB. Als sie mit ihrer Arbeit begann, lebten 374 Bremer Kinder bei Pflegeeltern. Jetzt sind es 500 – eine Entwicklung, hinter der eine Absicht steckt. Die Unterbringung in Familien soll Vorrang gegenüber der Unterbringung in Heimen haben, sagt Arnold Knigge, Staatsrat im Sozialressort. Etwa zehn Prozent der Bremer Pflegekinder kommen zu Familien ins Umland. Warum werden Kinder zu Pflegekindern? Die häufigsten Ursachen: Vernachlässigung wegen Alkohol- oder Drogensucht der Eltern und psychische Erkrankung eines Elternteils. Hinzu kommen Gründe wie Misshandlungen, Trennungskrisen, sexueller Missbrauch.

Die zwölf PIB-Mitarbeiter müssen viele Dinge beachten, wenn sie Kinder und Pflegefamilien zusammenführen wollen. „Einen fremden Menschen mit eigener Vorgeschichte in die Familie aufzunehmen, bedeutet einen sehr komplexen Vorbereitungsprozess“, sagt Monika Krumbholz. Die neuen Eltern müssen Kurse der Pflegeelternschule besuchen. Die PIB-Leiterin findet es „enorm“, wie viele Menschen bereit sind, sich den Problemen zu stellen, die Pflegekinder mitbringen. Gegenwärtig warten 70 Familien auf ein Pflegekind. Manchmal vergehen Jahre, bis PIB das Gefühl hat, ein Kind gefunden zu haben, das richtig in die Familie passt.