BREMEN - Ein psychisch kranker Mann war nach seiner Entlassung aus dem Polizeigewahrsam mit einem Messer bewaffnet. Ein Gutachten soll Klärung bringen.

Von Ralf Sussek

BREMEN - Der Fall des psychisch kranken Mannes, der am 6. April im Klinikum Bremen-Ost eine Ärztin und zwei Pfleger niedergestochen hat, wird für die Polizeibeamten keine weiteren Folgen haben. „Wir sehen keinen Anlass, ein Disziplinarverfahren einzuleiten“, sagte ein Polizeisprecher auf Nachfrage unserer Zeitung.

Der 27-jährige hatte während eines therapeutischen Gesprächs mit einer Ärztin plötzlich ein Messer gezogen und die 59-jährige Frau mit mehreren Stichen in Brust und Arm schwer verletzt. Zwei Ärzte überwältigten den Mann. Er wurde in Polizeigewahrsam gebracht. Am nächsten Tag wurde er in die Psychiatrie des Klinikums eingeliefert. Bei einer Leibesvisitation, auf die das Klinikpersonal bestand, obwohl der Mann gerade aus dem Polizeigewahrsam kam, zog er wieder unvermittelt ein Messer und verletzte die zwei Krankenpfleger schwer.

Es handele sich bei den Vorkommnissen um eine „Verkettung menschlicher Fehler“, die erklärbar seien. Man habe sich „aufeinander verlassen“, sagte jetzt der Polizeisprecher auf Nachfrage. Außerdem, so der Sprecher, habe man den Verdächtigen im Klinikum-Ost „nicht durch die Schleuse geführt“. Nach seiner Darstellung würde wohl nur dann ein Disziplinarverfahren eingeleitet, wenn es auch ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gäbe. Das ist jedoch unwahrscheinlich.

Staatsanwalt Uwe Picard sieht bei den Beamten keinen Anfangsverdacht einer fahrlässigen Körperverletzung. Der Messerstecher ist seit dem Vorfall in im Westfälischen Zentrum für Forensische Psychiatrie Lippstadt untergebracht, nach eigenen Angaben eine der größten deutschen Maßregelvollzugskliniken. Ein vorläufiges Gutachten über die Schuldfähigkeit des Mannes wird erstellt. Vom Gutachten hängt ab, ob gegen den Verdächtigen ein Straf- oder Unterbringungsverfahren betrieben wird.

Als „vertrauensbildende Maßnahme“ haben Beamte des zuständigen Polizeireviers mit dem Pflegepersonal gesprochen. Den Kontakt zu den verletzten Pflegern haben die Polizisten, die die gründliche Durchsuchung des Verdächtigen unterlassen und so die schweren Verletzungen ermöglicht haben, laut Polizeisprecher nicht gesucht. Von einer Entschuldigung ist auch nichts bekannt.