BREMEN - Die Pferde waren die Attraktion auf dem Marktplatz: Das Team tourt durch sechs Länder.
Von Elisabeth Gnuschke
BREMEN - „Eine Augenweide!“ „So schöne Pferde hatten wir nicht mehr auf dem Marktplatz, seitdem die Oldenburger von Beck‘s weg sind.“Die Passanten gestern vor dem Rathaus waren schlichtweg begeistert. Jürgen und Christine Reimer bekamen viele aufmunternde Worte für ihre 6 000 Kilometer lange Tour auf der historischen Postkutschenlinie zu hören. Und Lexus (6), der vierbeinige Teamchef, Elton (12), Hero (5) und Hektor (5), die vier prächtigen Alt-Oldenburger, wurden immer wieder geklopft und gestreichelt.
Auch Klein-Charlotte und ihr Papa Olaf waren begeistert. „Das ist etwas Freundliches, Völkerverbindenes“, sagte Bürgerschaftspräsident Christian Weber, der sich ins Goldene Buch der Europakutsche eintrug. Und: „Ich bewundere Ihren Mut.“
Ostermontag startete die Kutsche mit Jürgen und Christine Reimer, Erich Ramm sowie einigen Gästen in Hechthausen bei Stade, der jetzigen Heimat des Hamburger Paares Reimer. „Ein halbes Jahr werden wir auf den historischen Postkutschenlinien unterwegs sein“, erzählte Christine Reimer in roter Jacke.
6000 Kilometer durch sechs Länder will das Dreier-Team mit seinen vier Pferden zurücklegen. Gestern ging‘s von Lilienthal bis nach Stuhr. Unter anderem fährt die Postkutsche möglichst abseits von großen Straßen durch die Röhn, Bayern, durch Österreich, zum Gardasee in Italien, nach Verona, durch Slowenien (Lipica) und Ungarn (Budapest). Zurück geht es an der Donau entlang, über Prag, Dresden, durch den Spreewald, über Potsdam, Berlin und Hamburg zurück in die Heimat. Eines halbes Jahr „auszusteigen“ und durch die Gegend zu touren, ist für die beiden Reisejournalisten Reimer nicht ungewöhnlich, doch bisher tourten sie auf dem Fahrrad. Bei einer Radtour durch Sachsen traf Christine Reimer 1994 auf die Relikte der Postkutschenlinie – die Idee für die Europakutsche war geboren.
Doch vorher musste sie, die mit Pferden aufgewachsen ist, noch ihren Mann Jürgen begeistern. Vor zwei Jahren legten dann beide ihren Kutschenführerschein ab. Aufgrund ihrer Ausdauer, Kraft und Ruhe wählten die Reimers Alt-Oldenburger als Pferde aus.
Fehlte noch die Kutsche. „Die durften wir einem echten Omnibus aus dem Jahre 1890 aus einer privaten Sammlung nachbauen lassen“, so die Reisejournalistin, die mit ihrem Mann natürlich eine Multimedia-Show, DVD und Buch über die Tour verfassen wird.
Bis zu fünf Gäste können auf den vielen Teilstrecken für 80 Euro pro Nase und Tag mitfahren. Die drei Damen, die bis gestern dabei waren, erklärten übereinstimmend: „Einfach toll!“
Mehr Infos zur Tour im Internet unter www.europa-kutsche.de
