BREMEN - Dem Sächsisch des Kabarettisten zu folgen, war für Norddeutsche eher schwierig. Bürgerschaftspräsident Weber überreichte den Preis.
Von Alice Bachmann
BREMEN - Der aus Funk und Fernsehen bekannte „Sachse aus Leidenschaft“ steht für den anspruchvollen Witz und nicht etwa für plumpen Klamauk. Deshalb erhielt der Schauspieler und Kabarettist Wolfgang Stumph gestern den Till-Eulenspiegel-Satirepreis des Bremer Kulturvereins Freizeit 2000.Dicht drängte sich das Publikum im Ratskeller und besetzte den Raum bis auf den letzten Platz – der bestand aus einem instabilen Stuhl, der zum Glück für die Chronistin frei blieb. Denn Stumph hatte Zeit und Erzähllaune mitgebracht. Außerdem noch alte Bücher, aus denen er nach der Preisübergabe durch Christian Weber vorlas.
Zuvor jedoch gab er Kostproben seines kabarettistischen Talents, wobei sich herausstellte, dass der Schauspieler aus Dresden manchmal zu anspruchsvoll für sein Bremer Publikum war. Am Dialekt lag das sicherlich nicht, denn Stumph bemühte sich um eine Art sächsisches Hochdeutsch. Als er nach einem Stündchen meinte, jetzt seien wir ja alle nett unter uns und er könne ruhig ein bisschen sächseln, war es für Norddeutsche allerdings schwierig, ihm zu folgen.
Stumph erklärte, als erster aus den „neuen“ Bundesländern diesen Preis zu bekommen, freue ihn sehr, weil dieser bisher nur Leuten aus den „gebrauchten“ Bundesländern zuteil wurde. Dann sagte er: „Ich komme zwar aus dem Osten, bin aber nicht mit den ‚Fischer Reisen’ hier.“ Ein Witz, auf den das Publikum so gar nicht reagierte. Stumph legte nach: „Die Reisegruppen aus Kiew werden ja auch schon Fisherman’s Friends genannt.“ Doch es gab kaum Gelächter, offensichtlich ist die Problematik der Reisevisa aus Osteuropa nicht bekannt.
Zuvor hatte Bürgerschaftspräsident Christian Weber, der eigentlich nicht für Humorlosigkeit bekannt ist, seine Ansprache ziemlich ärgerlich begonnen, weil er von seinen Vorrednern – Thomas Blaeschke und Till Eulenspiegel – als Senatspräsident bezeichnet wurde.
Ausführlich plauderte Stumph aus dem Nähkästchen der mühsamen Arbeit für öffentlich-rechtliche Fernsehanstalten und sparte nicht mit beißendem Spott auf deren schlechte Qualität: Die 200 Stunden Berichterstattung aus Rom und die alten Filme mit Harald Juhnke seien so billig gewesen, dass die ARD und das ZDF hoffentlich nun wieder in der Lage seien, ein niveauvolles Programm zu liefern.
