Bremen - Ein Sekt hier, ein Glas Rotwein da. Kurz vor Beginn der Premiere am Donnerstagabend herrscht ausgelassene Stimmung im Foyer der Bremer Schauburg. Schauspieler geben TV-Interviews, Snacks gehen über die Theke und angeregte Gespräche prägen die Atmosphäre.

Ähnlich sieht es auch aus, als kurze Zeit später die ersten 60  Minuten von „Raus“ auf der Leinwand zu sehen sind. Etwa eine Stunde führt der Film die Besucher in die kleine Welt von „Glocke Müller“ (Matti Schmidt-Schaller), der der Meinung ist: „Die Welt ist am Arsch.“ Er zündet Luxusautos an, hat keinen Bock mehr auf eine Gesellschaft, die sich über Klickzahlen, vermeintliche Schönheitsideale und Prestigeobjekte definiert.

„Glocke“ will raus – und folgt dem Ruf von Friedrich, einem Mann, der ihn und vier weitere junge Menschen in seine Waldhütte einlädt, um einen grundsätzlichen Neustart zu wagen.

60 Minuten, die – so zumindest lässt sich das aus der Reaktion des Publikums ablesen – äußerst unterhaltsam sind, für Lacher sorgen, schlicht unterhalten. Doch „Raus“ soll eine dramatische Wende nehmen, die alle Pläne, Vorsätze und moralischen Vorstellungen der Protagonisten auf den Kopf stellt. Das merkt man auch im Kinosaal. Sorgten zuvor zahlreiche Gags für gute Laune bei den Zuschauern, ist die Atmosphäre nun bedrückt. Gewaltszenen, gravierende Entscheidungen, Kapitulation stehen fortan im Fokus des Films.

Eine Wende, die nicht bei jedem gut ankommt. Eine Besucherin macht aus ihrer Kritik bei der anschließenden Fragerunde keinen Hehl. Sie sagt: „Der Anfang passt nicht zum Ende.“ „Der harte politische Protest zu Beginn“ sei am Ende „fallen gelassen“ worden, fügt sie an. „Schade“, so ihr Resümee.

Eine andere Frau lobt den Film hingegen sehr, findet die „Idee des Ausbrechens fantastisch“. Ein Mann sagt, dass das „eigentlich Spannende ist, wie es weitergeht“. Ob es eine Fortsetzung von „Raus“ geben wird, lässt Regisseur Philipp Koch jedoch offen, der kurz danach unumwunden zugibt, ihm gehe es nicht so gut, schließlich habe man am Mittwoch erst Premiere in Leipzig gehabt und „hart gefeiert“.

Auf die Frage, warum sich die beiden Schauspielerinnen Milena Tscharntke und Matilda Merkel sich für das Drehbuch entschieden haben, heißt es unisono: „Uns hat gefallen, dass wir viel draußen sind.“ Inhaltliches Lob klingt irgendwie anders.

Sei es drum. So wie die Premiere begann, so endet sie letztlich auch. Im Foyer sprechen einige Zuschauer die Schauspieler persönlich an und drücken ihre Anerkennung aus. Bei anderen hat man eher den Eindruck, sie wollen einfach nur raus. Vielleicht planen sie ja auch gerade ihren Neuanfang.