BREMEN - Ein Richter, der dem Angeklagten seine Unschuld nicht abkauft, eine schwerhörige Zeugin, wodurch die Befragung schreiend stattfindet. Und ein Angeklagter, der die ganze Zeit dazwischen quatscht. Das sind die Zutaten in einem Prozess gegen einen 35-jährigen Türken, der an diesem Freitag am Bremer Landgericht eröffnet wurde. Der Angeklagte aus Bremerhaven ist wegen versuchtem Totschlags, gefährlicher Körperverletzung und Fahrens unter Alkoholeinfluss angeklagt. Er soll den damaligen Freund seiner Frau Anfang des Jahres bei mehreren Gelegenheiten angegriffen haben. Eine davon fand in der Wohnung des Angegriffenen statt. „Ich konnte nicht mit ihm reden. Der ist auf mich losgegangen. Ich habe ihn zweimal weggeschubst. Er hat mich wieder angegriffen. Dann habe ich ihn mit dem Stiefel getreten“, sagt der Angeklagte. Das
Opfer erlitt eine Unterkieferfraktur, Nasenbrüche und ein Teil vom Ohr fehlte.
Die Aussage des Geschädigten sieht anders aus. „Ich dachte, es wäre meine Freundin. Ich habe mich umgedreht, ihn gesehen, da war ich auch schon ohnmächtig“, so der 43-Jährige. Der Angeklagte hätte ihn sofort zusammengeschlagen. Danach sei die Frau des Angeklagten, die unten im Auto gewartet habe, in einen Kiosk gelaufen. Eine 65-jährige Zeugin berichtet, was dort geschah. „Die Frau kam rein und rief: 'Hilfe, hilfe, mein Mann will mich umbringen'.“ Am Ende seiner Aussage beginnt der Angeklagte zu weinen. „Ich hab schon seit sechs Monaten meine Kinder nicht mehr gesehen. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich das tun.“
Der Vorsitzende Richter Helmut Kellermann ist aufgebracht. „Sie stellen sich so dar, als wenn sie ein unschuldiges Lamm wären. Warum haben Sie sich nicht im Griff?“, fragt er den Angeklagten. Die Verhandlung wird am 5. September fortgesetzt.
