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NWZonline.de Region Bremen

Marouene A. kollabiert im Gerichtssaal

08.03.2019

Bremen Dramatische Szenen am Bremer Landgericht: Kurz nach der Urteilsverkündung im Prozess gegen zwei 29-jährige Männer ist einer der Angeklagten zusammengebrochen und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Wenige Minuten zuvor hatte ihn die Kammer wegen versuchten Totschlags zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Sein Freund, der Mitangeklagte, muss wegen Beihilfe zur versuchten gefährlichen Körperverletzung für eineinhalb Jahre ins Gefängnis.

Dass Marouene A. bestürzt über das Urteil war, konnte der 29-jährige Tunesier nicht verbergen. Kurz nachdem der Vorsitzende Richter Jens Florstedt verkündet hatte, dass der Mann für viereinhalb Jahre hinter Gitter muss, schlug der Angeklagte die Hände vors Gesicht. Er schluchzte, bald liefen die ersten Tränen.

Doch was dann passierte, damit hatte wohl niemand gerechnet: Marouene A. – so der Eindruck – begann zu hyperventilieren. Mehrmals versuchte der Mann, sich aufzurichten, dann fiel er von der Anklagebank auf den Boden. Mehrere Justizbeamte eilten zu dem 29-Jährigen, zogen ihn an den Beinen in die Mitte des Saals und brachten ihn in die stabile Seitenlage.

„Wir brauchen 112!“, forderte ein Beamter über Funk. Wenige Augenblicke später trafen Sanitäter samt Notarzt ein. Der zuvor stark krampfende Angeklagte wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Nach einer ersten Einschätzung des Richters gehe es dem Mann „nicht dauerhaft schlecht“. Dann wurde die Urteilsbegründung fortgesetzt. Darin schilderte Richter Florstedt, was sich Anfang Juli vergangenen Jahres in Bremerhaven nach Überzeugung der Kammer abgespielt hat. Nach vorausgegangenen Streitigkeiten zwischen den Angeklagten und einer Gruppe polnischer Staatsbürger traf man sich am späten Nachmittag zufällig auf einem Supermarktparkplatz. A. sei nach einem kurzen Wortgefecht mit einem Messer (Klingenlänge: 17 Zentimeter) auf die Gruppe zugelaufen, die sich in ein Auto retten konnte. A. zerschlug das Fenster der Beifahrertür und stach „bewusst und gewollt“, so der Richter, in Richtung des 19-jährigen Insassen. Nach Überzeugung des Gerichts habe A. dabei den Tod des jungen Mannes „billigend in Kauf genommen“, auch wenn letztlich niemand verletzt wurde.

Denn: „Die Stiche verfehlten die Halsschlagader nur um Haaresbreite“, führte Florstedt weiter aus. Der libysche Mitangeklagte Mohamed K. soll seinerseits mehrfach mit seinen Fäusten auf das Auto eingeschlagen und eine Bierflasche gegen den Wagen geworfen haben.

Die Schilderung der Angeklagten, sie seien durch eine „große Gruppe bewaffneter Männer“ angegriffen worden, habe sich in der Beweisaufnahme nicht bestätigt. „Eine Vielzahl objektiver Zeugen“ habe berichtet, dass der Konflikt durch die beiden Angeklagten ausgelöst wurde und auch sie es gewesen seien, die aktiv Streit gesucht hätten.

Strafschärfend komme hinzu, dass beide Männer die Tat während laufender Bewährungen begingen. Vor etwa zwei Jahren wurden sie wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Richter Florstedt dazu: „Sie machen das Gleiche nochmal – nur eine Spur schlimmer.“

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