BREMEN - BREMEN/LNI - Im Prozess gegen einen Lehrer wegen versuchten Mordes hat gestern vor dem Bremer Landgericht der Psychotherapeut und Arzt des Angeklagten ausgesagt. Der 50-Jährige habe am Tag nach seiner vorübergehenden Festnahme erstmals in seiner Praxis gestanden, einen Brandsatz in die Wohnung seines Nachbarn geworfen zu haben. Er habe ihm geraten, sich den Behörden zu stellen. Die Tat habe er dem Mann, der seit 1996 bei ihm in Behandlung war, allerdings nicht zugetraut.
Der Pädagoge hatte laut Anklage bei Nacht die Wohnung eines Nachbarn mit einem Brandsatz angezündet. Dabei waren eine Pastorin, deren Ehemann und drei Kinder in Lebensgefahr geraten. Weitere Anschläge auf die Pastorenwohnung hatten zeitweise die Vermutung genährt, der Brandanschlag im April 2004 stehe im Zusammenhang mit Protesten gegen die Aufführung eines umstrittenen Theaterstücks in der Kirche der Pastorin. Das bestätigte sich jedoch nicht. Tatmotiv war laut Anklage Ärger des Täters über den Lärm der Nachbarskinder.
Ein psychiatrischer Gutachter sagte vor Gericht, er sei „erstaunt über die Fähigkeit des Angeklagten, gegenüber dem Therapeuten Fassaden aufzubauen, hinter denen nichts von seinen wirklichen Problemen erschien“.
Nach Aussagen des Arztes leidet der Angeklagte seit 15 Jahren unter einer chronischen seelischen Erkrankung mit schweren Depressionen. Hinzu komme eine Alkohol- und Tablettenabhängigkeit sowie eine Tinnitus-Hörstörung. Der leicht verletzliche Mann neige dazu, Mitmenschen in Gut und Böse einzuteilen. Von Depressionen erzeugte Wut habe er aber stets gegen sich selbst gerichtet.
