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NWZonline.de Region Bremen

Tödliche Schüsse im Supermarkt

14.04.2018

Bremen „Es ist eine tragische Geschichte“, sagt der Vorsitzende Richter Helmut Kellermann. Der 31-jährige Angeklagte sieht sich auch als Opfer, das sich gewehrt habe. Seit Freitag geht es vor dem Landgericht um tödliche Schüsse in einem Supermarkt. Und um einen Konflikt, in dem zwei Sinti-Großfamilien involviert sind.

Dem 31-jährigen René A. wird vorgeworfen, am 2. November 2017 gegen 10.05 Uhr im Rewe-Markt am Kalmsweg in Oslebshausen mindestens fünf Schüsse aus einer Pistole auf einen 25-jährigen entfernten Verwandten abgegeben zu haben. Das Opfer (Hugo Siegfried E.) soll durch vier Patronen getroffen worden sein und erlag seinen Verletzungen am Unfallort. Den 25-Jährigen, der eine Frau und zwei Kinder hinterlässt, hätten die Schüsse unvermittelt und unvorsehbar getroffen worden, sagt die Staatsanwältin. Deshalb laute die Anklage auf heimtückischen Mord. Dafür droht dem Angeklagten eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Der Angeklagte bestreitet die Tat nicht. In seiner Aussage heißt es allerdings, er habe das nicht gewollt. Der Vorsitzende Richter will Licht ins Dunkel bringen und die „Vorgeschichte in aller Ruhe und Sachlichkeit aufklären“. Das scheint ein schwieriges Unterfangen zu sein, auch weil es jede Menge Mitspieler gibt, die zudem innerhalb der Großfamilien ihre eigenen Namen haben – wie „Hansi“ und „Sunny“, „Joschi“ und „Fischi“.

Der Angeklagte jedenfalls macht zum Prozessauftakt keine Aussage. Aber er hat zuvor beim Gutachter Dr. Konstantin Karofylis aus Oldenburg umfangreiche Angaben zur Tat und zur Vorgeschichte gemacht. Und spult die Zeit zurück ins Frühjahr 2017, zum Angelausflug nach Bremerhaven. Mit dabei sind unter anderem diverse Mitglieder beider Familienzweige, darunter der Angeklagte, das spätere Opfer und der Großcousin des Opfers, Hugo Sunny E.. Es kommt zum Streit um Angelköder, um verschwundene Würmer. Er fordert „Hansi“ (so der Sinti-Name des Angeklagten) zum Faustkampf auf. Sunny, den der Angeklagte als gewaltbereiten Schläger skizziert, aber zückt eine Machete und bedroht Hansi. Der kann aber irgendwie entkommen.

Bedrohungen kommen per Handy über WhatsApp – „wir suchen Dich“, „wir kriegen Dich“. Hansi bekommt Angst um sein Leben und seine Familie. Schließlich besorgt er sich eine Pistole – „zum Selbstschutz“. Seine Waffe hat er fortan immer griffbereit. Der Konflikt eskaliert den Schilderungen zufolge dann bei einem zufälligen Treffen in dem Supermarkt. Die Männer schreien sich an. Der Angeklagte fürchtet, Hugo Siegfried E. wolle eine Waffe ziehen, weil er seine rechte Hand in der rechten Jackentasche bewegt habe. Dann greift Hansi zur Waffe und feuert fünf Schüsse auf seinen Widersacher ab. Wohin er genau gezielt habe, will er gar nicht mehr mitbekommen haben. Anschließend fährt der 31-Jährige davon, versteckt sich drei Tage lang, bevor er sich der Polizei stellt.

Der Prozess wird am Dienstag, 17. April, fortgesetzt. Elf Verhandlungstermine sind angesetzt. Das Urteil soll im Juni fallen.

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